VON OLIVER GRISS UND CHRISTINA PAHNKE (FOTO)

Noch vor drei Wochen, nach dem 1:2 beim VfB Stuttgart II, erklärte Trainer Markus Kauczinski völlig enttäuscht: „Über den Aufstieg brauchen wir nicht mehr zu reden.“ Und jetzt? Nach dem dritten Sieg in Folge, dem 2:1 bei Hoffenheim II, steht der Löwe so gut da wie noch nie nach 26 Spieltagen – mit 42 Punkten. Ein neuer Drittliga-Rekord für Sechzig.

Rückblick: In der Saison 2020/2021 hatten die Köllner-Löwen zum selben Zeitpunkt 41 Punkte auf der Habenseite. Die Mannschaft um Torjäger Sascha Mölders war bis zum letzten Spieltag im Aufstiegsrennen vertreten, scheiterte dann aber in Ingolstadt mit 1:3 und musste sich mit Rang vier begnügen.

In dieser Saison könnte – angesichts des neuen Laufs – möglicherweise mehr gehen, auch wenn Kauczinski sagt: „Wir rennen der Zeit und den Punkten hinterher.“ Möglicherweise ist das auch nur ein kleines Ablenkungsmanöver an der Grünwalder Straße 114, denn Kauczinski ist ein Fuchs. Er weiß ganz genau: Punktet der Löwe kontinuierlich weiter, könnte sich die Mannschaft am 38. Spieltag belohnen.

Als die Löwen am Freitag kurzzeitig auf Platz sechs gesprungen sind, sagte Kauczinski: „Ich hoffe schon, dass das was mit uns macht. Zum ersten Mal haben wir dieses Gefühl, dass man ein bisschen geklettert ist, dass man das auch sieht. Bisher hattest du gewonnen, hast auf die Tabelle geschaut, und es sah alles gleich aus. Du hast jetzt das Gefühl, dass sich etwas tut für uns.“

In dieser Woche könnte 1860 wieder vorlegen – mit den Spielen gegen Erzgebirge Aue (Dienstag, 19 Uhr) und bei Viktoria Köln (Freitag, 19 Uhr). Und Kauczinski weiß auch: Seine Mannschaft muss sich dabei fußballerisch steigern, will sie die Serie fortsetzen.

Als db24 den Trainer am späten Freitagabend in Sinsheim fragte, wie er die beiden Gelbgesperrten David Philipp und Philipp Maier ersetzen wolle, zuckte der 56-Jährige kurz und lachte: „Oh, das war mir gar nicht bewusst. Aber ich hätte meine Mannschaft eh umgebaut. Philipp wusste ich, Dave nicht. Dann haben wir ein bisschen Platz…“

Das ist ein typischer Kauczinski-Satz. Der Löwen-Dompteur jammert nicht, sondern nimmt die Situation an. Aktuell hat der 56-Jährige den besten Punkteschnitt aller Löwen-Trainer in der Drittliga-Historie – mit 1,88 Zählern pro Partie. Punktet Kauczinski so weiter, könnte am Saisonende der Aufstieg in die Zweite Liga stehen. Hochgerechnet wären das 71 Punkte. In der Vorsaison hätte diese Punktzahl für Platz zwei gereicht.