Mythos Sechzig: Drei Spielorte, drei verschiedene Wahrheiten
- VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)
- 18.02.2026 19:04
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Eine steile These. War das so? Also schauen wir genauer hin. Mythos Sechzig: Drei Stadien, drei verschiedene Wahrheiten. Die db24-Übersicht:

Schauplatz Allianz Arena: In der Fröttmaninger WM-Arena, aus der der TSV 1860 nach dem wirtschaftlichen Zwangsabstieg 2017 ohne Rückfahrkarte ausgezogen ist, hatte sich der Traditionsverein nie so richtig heimisch gefühlt - was natürlich auch daran lag, dass die Löwen just in dem Moment, als man im Sommer 2005 mit dem FC Bayern in die Allianz Arena einzog, nur noch sportlicher Zweitligist war. Und trotzdem waren die Zuschauerzahlen für Sechzig anfangs mehr als vorzeigbar: In der ersten Saison 05/06 hatte 1860 im Schnitt 41.371 Besucher, danach 36.229 (Saison 2006/2007) und 35.024 (Saison 2007/2008). Und weil 1860 sportlich nur noch wenig zu bieten hatte, sank das Zuschauerinteresse immer mehr. In der Abstiegssaison 2016/2017 konnte man die Saisonstastik noch einmal auf 25.905 Fans pro Spiel erhöhen. Und jetzt zu Mangs Argumentation: 1860 hatte in seinen 12 Spielzeiten nur einmal wenige Fans - und das war im unbeliebten DFB-Pokal in der Saison 2008/2009: Am 23. September 2008 sahen nur 5.450 Fans den 5:4-Erfolg nach Elfmeterschießen über den MSV Duisburg. Ansonsten waren die Besucherzahlen laut Statistiken immer im fünfstelligen Bereich. Dagegen stehen Hits im DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund (0:2 n. V.), als am 24. September 2013 71.000 Anhänger nach Fröttmaning pilgerten. Dieses Spiel ist bis heute in der ewigen Rangliste “die bestbesuchten 1860-Heimspiele” auf Rang vier. Der einstige Kultstürmer Olaf Bodden hat einmal gegenüber db24 gesagt: “Wenn wir mit unserer damaligen Mannschaft heute in der Allianz Arena spielen dürften, wäre fast jedes Spiel ausverkauft.”
Schauplatz Olympiastadion: Bis heute unerreicht ist das Rekordspiel vom 15. August 1973, als 100.000 Fans das Derby zwischen 1860 und Augsburg verfolgten - es ist ein Rekord für die Ewigkeit. In der Saison 1996/1997 kamen die Löwen, trainiert vom unvergessenen Werner Lorant, auf einen Saisonschnitt von 38.794 Fans. In der Bundesliga-Abstiegssaison 2003/2004 waren’s 28.331. Zur ganzen Wahrheit gehört aber auch dazu, dass 1860 auch viele triste Zuschauer-Momente am Oberwiesenfeld erlebt hat - so am 28. November 2001, als nur 5.700 Fans den Elfer-Krimi gegen Borussia Mönchengladbach sahen. Oder im Dezember 2002, als 4.320 Anhänger zum Pokal-Sieg über Rot-Weiß Oberhausen kamen. Auch im Uefa-Cup gegen Jazz Pori (6:1) am 30. September 1997 kamen nur 7.500 Zuschauer. Einer der Tiefpunkte: Der 16. Mai 1982, als 1860 in der Zweiten Liga noch oben spielte. Es kamen aber nur noch 1.200 (!) Fans zum 6:1-Sieg von Rudi Völler & Co. über Bayer Uerdingen ins Olympiastadion - der Grund: Lizenzentzug! Fixabstieg in die drittklassige Bayernliga!

Schauplatz Grünwalder Stadion: In der Neuzeit ab Zwangsabstieg 2017 ist der TSV 1860 - ausgenommen die Corona-Zeit - eigentlich immer mit 15.000 Fans (anfangs 12.500) ausverkauft. Der Fußball hat sich inzwischen zu einer Eventveranstaltung entwickelt - das muss man wissen. Im Gründungsjahr der Bundesliga 1963/1964 kamen die Löwen am Giesinger Berg auf einen Zuschauerschnitt von 32.933, in der Meister-Saison 65/66 auf 32.294 - und in der ersten Abstiegssaison 1969/1970 auf 20.559, obwohl zum letzten Spiel gegen Rot-Weiss Essen nur noch 4.500 Anhänger in die Kultstätte kamen, um Petar Radenkovic & Co. zu verabschieden. Unvergessen ist aber das Bayernliga-Meisterfinale im Mai 1990, als das Stadion überbucht war und 40.000 Fans Augenzeuge der Partie zwischen 1860 und Schweinfurt (3:3) waren. Nach dem Zwangsabstieg 1982 in die Bayernliga kamen nur 6.822 Fans im Schnitt, 1984/1985 sogar nur 3.400. Überhaupt waren die 80er Jahre harte Zeiten: Während auswärts auf den Dorfplätzen oft Volksfeststimmung herrschte, war das Grünwalder nicht selten gähnend leer - einer der Minuskulissen spielte sich am 19. November 1983 ab: Nur 1.231 Hartgesottene wollten das 0:0 in der Bayernliga gegen den TSV Eching sehen. Oder am 23. April 1988: Nur 620 (!) zahlende Zuschauer passierten die Stadion-Tore in Giesing beim 2:0 gegen den FC Kronach - bestätigt auch in einem alten BILD-Bericht von Kult-Reporter Thomas Nuggis. Bis heute ist dies der absolute Tiefpunkt in der Geschichte der Löwen.
Solche trostlosen Nachmittage gab es übrigens öfter - und sind keine Geschichten aus dem Giesinger Biergarten.







