In eigener Sache: Urheberrecht & DSGVO gelten - auch in Giesing
- VON OLIVER GRISS
- 12.02.2026 14:21
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VON OLIVER GRISS
Leider müssen wir nochmals auf einen Vorgang zurückkommen, den wir ursprünglich vorab auf dem kurzen Dienstweg diskret klären wollten. Nachdem der TSV 1860 München e.V.unerlaubterweise auf der Mitgliederversammlung 2021 ein von uns produziertes Foto benutzt hat und wir hinterher ohne Forderungen zum damaligen Präsidium Robert Reisinger Kontakt gesucht haben, aber ignoriert wurden, haben wir seinerzeit einen renommierten Münchner Medien-Anwalt beauftragt, um unser Recht einzufordern, beziehungsweise unseren Berufsstand bzw. das Copyrightgesetz zu schützen.
Es ging nie darum, Geld mit diesem Fall zu verdienen, sondern dem Verein klarzumachen, dass das kein Kavaliersdelikt ist, sondern eine Urheberrechtsverletzung. Im vergangenen Jahr hatten wir einen neuen Anwalt beauftragt. Das Landgericht München I hat in dieser Woche in seinem Urteil die Klage bestätigt, dass unser Foto unrechtmäßig verwendet wurde. 200 Euro Schadensersatz plus rund 500 Euro vorgerichtliche Kosten. Gleichzeitig müssen wir wegen der gesetzlichen Kostenverteilung die gesamten Prozess- und Anwaltskosten tragen.
Um es klar zu sagen: Das ist keine Niederlage – wir haben in der Sache Recht bekommen. Die Urheberrechtsverletzung wurde gerichtlich bestätigt. Ein strukturelles Problem des Urheberrechts: Wer sein geistiges Eigentum verteidigt, geht ein massives Kostenrisiko ein – selbst wenn das Gericht die Rechtsverletzung bestätigt. Die Entscheidung, die Klage nicht zurückzunehmen, war bewusst getroffen. Rechtsdurchsetzung ist kein Verhandlungsritual, sondern eine Frage des Prinzips. Hätte uns der Verein um dieses Bild gebeten, hätten wir es ihnen natürlich kostenfrei zur Verfügung gestellt. Der TSV 1860 e.V. hat es aber bewusst auf eine Eskalation ankommen lassen - mit der Ignorierung unserer Kommunikation an das Präsidium Reisinger. Der Klub mit seinem neuen Präsidium Mang gesteht seinen Fehler immer noch nicht ein, sondern schreibt: “Geltendmachung von Ansprüchen durch Herrn Griss war die angeblich unrechtmäßige, wenige Sekunden andauernde Präsentation einer Fotografie im Rahmen einer Mitgliederehrung bei der Mitgliederversammlung 2021.” Unrechtmäßig? Angeblich? Keinesfalls.
Leider sind es nur 200 Euro geworden, das Geld spenden wir - wie angekündigt - dem 1860-Nachwuchs: Wir haben uns für die Mannschaftskasse der U21 entschieden.
Bemerkenswert ist weniger das Urteil – sondern die anschließende politische Deutung durch den Verein. Ein Verein, der ein Foto nutzt, dafür verurteilt wird und anschließend den Fotografen öffentlich angreift, setzt kommunikativ eigene Akzente. Wir bleiben dabei: Urheberrechte gelten – auch in Giesing.
Gleichzeitig sind diverse Passagen im e.V.-Statement auf der Vereinsseite mehr als abenteuerlich. Der Verein behauptet in seiner Stellungnahme u.a., dass die öffentliche Debatte zum Grünwalder Stadion “teils nachweislich fehlerhafte Angaben auf dieblaue24 unnötig emotionalisiert, verzerrt und einseitig dargestellt” sind. Und: “Ein Beispiel hierfür ist die Behauptung, die Machbarkeitsstudie koste zwischen 70.000 und 120.000 Euro – tatsächliche Zahlen liegen deutlich darunter.” Das haben wir nicht behauptet, sondern wir haben am 3. Februar 2026 im Text “1860 gibt Machbarkeitsstudie bei internationalen Top-Experten in Auftrag” wortwörtlich geschrieben: “Experten rechnen, dass die Studie zwischen 70.000 und 120.000 Euro kostet. Wer für dieses Volumen aufkommt, ist nicht bekannt.”
Wer hier also unsauber arbeitet, das überlassen wir dem Verständnis der Leser. Unsere Berichterstattung zur Machbarkeitsstudie bezog sich ausdrücklich auf Expertenschätzungen und enthielt keine definitive Tatsachenbehauptung. Sollte der Verein über konkrete, belastbare Zahlen verfügen, begrüßen wir deren transparente Veröffentlichung - auch im Sinne der Mitglieder und Fans angesichts der schwierigen Finanzsituation an der Grünwalder Straße 114. Eine als solche gekennzeichnete Prognose als „teilweise nachweislich fehlerhaft“ zu bezeichnen, überzeugt nicht.
Der aus unserer Sicht unangemessene Druckaufbau gegenüber db24 seit mehr als acht Jahren zieht nicht. Genau aus diesem Grund müssen wir die Mitglieder, Fans und Sympathisanten des TSV 1860 - anders als zunächst geplant - informieren, dass das Präsidium uns im November/Dezember 2025 in unzähligen E-Mails aufgefordert hat, Daten von Lesern herauszugeben, die im db24-Kommentarbereich über die Stränge geschlagen haben. Es wurden Screenshots beigefügt. Der Verein forderte uns auf, “im Rahmen Ihrer Mitwirkungspflicht als Diensteanbieter die folgenden Daten zur Identifizierung des Nutzerprofils, unter welchem der vorstehende Kommentar veröffentlicht wurde, bereitzustellen.” Ergo: Der Klub setzte uns eine Frist zur Herausgabe von Namen und E-Mail-Adressen. Dieser Aufforderung sind wir aus rechtlichen Gründen selbstverständlich nicht nachgekommen.
Am 4. Dezember antworteten wir Vize-Präsident Peter Schaefer per Mail, u.a: “Die von Ihnen geforderte Weitergabe von Nutzerdaten ist mir ohne behördliche oder richterliche Anordnung nicht gestattet. Als Betreiber der Plattform unterliege ich den Vorgaben der DSGVO sowie des Telemedienrechts. Eine Übermittlung personenbezogener Daten an Dritte – auch an Vereine oder deren Funktionsträger – wäre daher rechtswidrig. Ich bitte um Verständnis, dass ich Ihrer Aufforderung folglich nicht nachkommen kann. Meine Verpflichtung beschränkt sich darauf, nach Kenntnis rechtsverletzende Inhalte zu entfernen. Dies wird im Zeitrahmen unverzüglich umgesetzt. Eine Pflicht zur Identifizierung oder zur Weitergabe von Daten einzelner Nutzer an einen Verein besteht hingegen nicht.”
Und weiter: “Erlauben Sie mir den Hinweis, dass einzelne Formulierungen Ihrer Schreiben – insbesondere solche, die mögliche Konsequenzen andeuten – geeignet sind, als Druckausübung oder Einschüchterung eines Journalisten wahrgenommen zu werden. Ich gehe zu Ihren Gunsten davon aus, dass dies nicht beabsichtigt war. Da Sie jedoch sowohl als Anwalt als auch in Ihrer Vereinsfunktion eine besondere Verantwortung tragen, möchte ich darauf aufmerksam machen, dass unberechtigte Datenanforderungen Ihrerseits datenschutzrechtlich relevant sein können und gegebenenfalls die zuständige Datenschutzaufsichtsbehörde beschäftigen könnten.”
Zu diesem Fall haben wir auch den Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS) und Verein Münchner Sportjournalisten (VMS) in Kenntnis gesetzt.
db24 wird weiterhin - und nicht nur für die Mitglieder und Fans - unabhängig und faktenbasiert berichten.
Oliver Griss
12.Februar 2026






