Unterlassene Hilfeleistung in Giesing
- VON OLIVER GRISS
- 10.02.2026 09:03
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VON OLIVER GRISS
Paula hingegen blieb in der Winterpause untätig. Und das, obwohl er nach dem Aus von Dr. Christian Werner vom NLZ-Leiter zum alleinigen KGaA-Geschäftsführer befördert wurde und nun den Laden an der Grünwalder Straße 114 „rocken“ soll. Seine Begründung lieferte er zuletzt der “Münchner Abendzeitung”: Man habe bereits im November über einen Ersatz für den verletzten Tunay Deniz diskutiert und sich dagegen entschieden, weil man „auf dieser Position gut besetzt“ sei. In der Winterpause sei man zum gleichen Ergebnis gekommen. Paula sprach sogar von einem „Wissensvorsprung“.
Noch bemerkenswerter war seine Aussage zur Stürmerfrage: „Wir haben letztlich die Entscheidung getroffen, dass wir keine sportliche Veranlassung sehen, auf dem Transfermarkt tätig werden zu müssen.“
Angesichts der offensichtlichen Probleme in der Schaltzentrale (Spielgestalter!) und der chronischen Verletzungssorgen ist das eine gewagte These. Auf der einen Seite mag man Paulas Ansatz verstehen, eigene NLZ-Spieler in Szene setzen zu wollen. Auf der anderen Seite steht jedoch der sportliche Erfolgsdruck, den Giesinger Traditionsklub endlich zurück in die Zweite Liga zu führen.
Dieses Ziel ist spätestens seit dem 1:2 beim VfB Stuttgart II nur noch eine Illusion – und das nicht wegen mangelnder Qualität, sondern wegen fehlender Impulse. Der gebeutelte Kader wurde bewusst nicht nachjustiert. Man kann es auch klarer formulieren: Das war unterlassene Hilfeleistung.
Diese Verantwortung tragen alle, die bei 1860 Entscheidungen treffen – ausdrücklich auch beide Gesellschafterseiten. Leichtfertig wurde die Chance auf den Zweitliga-Fernsehtopf von rund sieben Millionen Euro und auf eine deutlich bessere Perspektive für den Klub verspielt.
Dabei hätte es nicht viel gebraucht. Zwei gezielte Verstärkungen hätten gereicht, um den Kader stabiler durch die Rückrunde zu bringen – auch, um weniger anfällig für die bekannten und unsäglichen Schiedsrichter-Entscheidungen zu sein. Stattdessen ging 1860 bewusst ins Risiko und hat Anfang Februar erneut frühzeitig eine Saison abgeschenkt, die so verheißungsvoll begonnen hatte.
Zur Einordnung: Für uns hatte 1860 von Beginn an die Qualität für den Aufstieg – gerade auf dem überschaubaren Leistungsniveau dieser Drittliga-Saison. Dass die Löwen das sprichwörtliche Kreuz haben, zeigen auch die Ergebnisse gegen die aktuellen Top-Teams: Gegen Cottbus, Duisburg und Osnabrück holte man in vier Spielen zehn Punkte.
Doch weil man in der Winterpause nicht auf die veränderte Personalsituation reagierte, mussten wir unsere Sommerprognose in der Winterpause korrigieren – von Platz zwei auf Rang sechs.
Bereits am 16. Januar schrieben wir: „Nur noch ein Wunder bringt den TSV 1860 im Mai in Richtung Zweite Liga. Die extremen Verletzungssorgen – vor allem die langfristigen Ausfälle von Sigurd Haugen und Tunay Deniz – sowie die schwer nachvollziehbare Passivität auf dem Transfermarkt kosten die Löwen bessere Ergebnisse. Besonders bitter: Mit Markus Kauczinski hätten die Sechzger endlich einen Trainer, der einen Klub wie 1860 führen kann. Doch erneut wurde eine große Chance vertan.“
Daran hat sich nichts geändert. Im Gegenteil. Die Rückkehr in die Zweite Liga muss erneut um ein Jahr verschoben werden – und selbst dieses Ziel erscheint angesichts der bekannten Probleme rund um Investor, Infrastruktur, Strukturen und Finanzen alles andere als sicher.
Oliver Griss (54) begleitet die Löwen journalistisch seit 1989, darunter auch 12 Jahre zu erfolgreichen Bundesliga-Zeiten für die Münchner Abendzeitung. Seit 2011 betreibt er db24.






