Der Gast-Kommentar von Oliver Dehnert: "1860? Stabilität entsteht nicht von alleine!"
- VON OLIVER DEHNERT UND STEFAN MATZKE (FOTO)
- 10.02.2026 07:49
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VON OLIVER DEHNERT UND STEFAN MATZKE (FOTO)
Das 1:2 beim VfB Stuttgart II war gleichbedeutend mit dem Aus im Aufstiegsrennen - bei neun Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz und einer Form- und Ergebniskrise (kein Sieg aus den letzten fünf Spielen) braucht man nicht mehr über die Zweite Liga zu reden.
Die Fans machen sich Gedanken: Quo Vadis, Sechzig? Oliver Dehnert hat uns einen Gast-Kommentar zugesandt.
Es gibt Vereine, die begleitet man. Und es gibt Vereine, die begleiten einen durchs Leben. Der TSV 1860 München gehört für viele von uns zur zweiten Kategorie.
Wir sind mit diesem Verein groß geworden. Wir haben mit ihm gefeiert, gelitten, gehofft und gezweifelt. Wir haben Abstiege erlebt, Neuanfänge, sportliche Enttäuschungen und Momente, die man nie vergisst. Und trotzdem sind wir geblieben. Nicht, weil immer alles gut war – sondern weil 1860 für uns mehr ist als Fußball. 1860 ist Gefühl, Herkunft, Identität.
Aktuell spürt man, dass sich beim Verein wieder etwas bewegt. Das Thema Grünwalder Stadion entwickelt sich in eine Richtung, die Perspektive bietet. Gespräche laufen, eine Machbarkeitsstudie wurde angestoßen. Dieses Thema ist auf den Weg gebracht, und das ist richtig so. Jetzt braucht es Geduld und saubere Arbeit.
Doch genau hier beginnt die Verantwortung der Vereinsführung noch größer zu werden. Während dieses Projekt Zeit braucht, dürfen die wichtigen Themen, die unmittelbar über die sportliche Zukunft entscheiden, nicht in den Hintergrund rutschen.
Denn so emotional Fußball auch ist – am Ende lebt ein Verein von sportlichem Erfolg und von Stabilität. Und genau dort spüren viele Löwen aktuell eine große Unsicherheit.
Viele Spielerverträge laufen aus. Was die Situation besonders brisant macht: Viele Spieler gehen nicht, weil sie es wollen – sie gehen, weil es keine finanzielle Planungssicherheit gibt. Sie wissen nicht, ob der Verein in der Lage ist, langfristig zu planen, Gehälter abzusichern und die sportliche Kontinuität zu gewährleisten. Genau das muss sich ändern, wenn 1860 dauerhaft erfolgreich sein will. Ohne diese Sicherheit verliert der Verein nicht nur Spieler, sondern auch Glaubwürdigkeit, Identität und Hoffnung.
Gerade deshalb entsteht bei vielen Anhängern der Eindruck, dass die Besetzung eines starken Geschäftsführers Finanzen nicht länger aufgeschoben werden darf. Diese Position ist kein Luxus und kein Verwaltungsthema – sie ist die Grundlage für sportlichen Erfolg. Ohne klare wirtschaftliche Struktur wird 1860 weiterhin Gefahr laufen, wichtige Spieler zu verlieren oder Entscheidungen treffen zu müssen, die kurzfristig helfen, aber langfristig Probleme schaffen.
Hier erwarten viele Fans mittlerweile ein deutlich klareres Signal der Vereinsführung. Stabilität entsteht nicht von allein. Sie muss aktiv aufgebaut werden – strukturell, finanziell und strategisch.
Eng mit dieser Stabilität verbunden ist die Zukunft unseres aktuellen Trainers. In einem Verein, der selten von Ruhe geprägt ist, steht er für viele Fans für Einsatz, Haltung und Identifikation mit dem Verein. Gerade jetzt, in einer Phase mit zahlreichen auslaufenden Verträgen, wäre eine klare Entscheidung über seine Zukunft ein enorm wichtiges Zeichen.
Kontinuität auf der Trainerposition wäre mehr als nur eine Personalentscheidung. Sie wäre ein Signal an Spieler, Fans und das gesamte Umfeld, dass 1860 bereit ist, langfristig zu denken. Spieler brauchen Orientierung, Fans brauchen Vertrauen und ein Verein braucht eine klare sportliche Handschrift. Die Vergangenheit hat oft gezeigt, wie teuer ständige Neuanfänge sein können.
Auch wirtschaftlich steht der Verein vor entscheidenden Fragen. Die Suche nach einem neuen Investor läuft bereits seit Amtsantritt des Präsidenten – doch bisher ist keine spürbare Veränderung erfolgt. Viele Fans sind besorgt, dass ohne eine verlässliche finanzielle Basis jede sportliche Planung gefährdet bleibt. 1860 braucht dringend einen neuen Investor, um finanziell unabhängig zu sein, Spieler zu halten, Transfers zu ermöglichen und dauerhaft konkurrenzfähig zu bleiben. Es ist höchste Zeit, dass die Vereinsführung hier entschlossen handelt und endlich sichtbaren Fortschritt vorweisen kann.
1860 hat alles, was einen großen Verein ausmacht: eine außergewöhnliche Tradition, eine enorme Strahlkraft und eine Fanbasis, die ihresgleichen sucht. Gerade deshalb wächst bei vielen Anhängern auch der Anspruch, dass dieses Potenzial endlich konsequent genutzt wird. Der Verein darf nicht weiter von kurzfristigen Lösungen leben, sondern muss den Mut haben, nachhaltige Strukturen zu schaffen.
Dieser Leserbrief ist kein Vorwurf, sondern ein Hilferuf. Er steht für die unzähligen Momente, die wir Löwen erleben: die Freude, das Zittern, die Hoffnung und manchmal den Schmerz. 1860 hat uns geprägt, geformt und begleitet – durch Siege, Niederlagen und unvergessliche Momente.
Die Fans werden diesen Verein immer tragen. Aber wir sehnen uns nach einer Zukunft, die Klarheit, Stabilität und sportliche Perspektive verbindet.
Denn 1860 ist kein Kapitel im Leben.
1860 ist kein Abschnitt, der vergeht.
1860 ist ein Teil von uns – tief, unzertrennlich, für immer.
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