Löwen, warum wehrt ihr euch nicht?
- VON OLIVER GRISS
- 08.02.2026 19:57
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VON OLIVER GRISS
Und wir reden hier nicht von Cottbus, Duisburg oder Verl. Der Gegner war eine schwäbische Bubi-Elf, die zuvor dreimal in Folge verloren und in diesen drei Spielen elf Gegentore kassiert hatte. Nicht die Löwen waren das reifere Team, sondern die Talente aus der VfB-Zentrale. Das sagt viel aus.
Kapitän Thore Jacobsen war nach dem Abpfiff richtig erregt: „Wir haben keine Eier gehabt.“ Okay, soweit wollen wir nicht gehen. An der grundsätzlichen Bereitschaft zu zweifeln, wäre dann doch zu einfach. So weit ist es nicht.
db24 hatte im Vorfeld der Partie in der Rubrik „Der Löwen-Countdown“ ausdrücklich vor dem VfB II gewarnt: „Athletisch und fußballerisch sind die Hausherren den Löwen prinzipiell überlegen (siehe 1:1 im Hinspiel). Heute wird es darauf ankommen, die Schwaben nicht zur Entfaltung kommen zu lassen. Stichwort: Männerfußball mit allen Facetten!“
Diesen Männerfußball gab es erst in der Schlussphase – als es eigentlich schon zu spät war. Mehr als das Ehrentor von Sigurd Haugen sprang nicht heraus. Unterm Strich hätten es die Sechzger auch nicht verdient gehabt, mit einem Punktgewinn die Heimreise aus Großaspach anzutreten. Aber jetzt kommt das große ABER: Wie schon in der Vorwoche beim 2:2 gegen Alemannia Aachen wurde den Löwen erneut ein Elfmeter verweigert – diesmal in der 88. Minute Florian Niederlechner.
Die TV-Bilder sind eindeutig: Der frühere Augsburger spritzt im Kampf um den Ball aus dem Hintergrund ins Duell, VfB-Verteidiger Meyer sieht Niederlechner nicht, trifft ihn aber klar. Zu wenig für einen Elfmeter? Nein! Während Niederlechner heiß lief und lautstark reklamierte, ließ der Schiedsrichter die Szene ungeahndet. Ein Fehler – den Fifa-Schiedsrichter Babak Rafati in seiner Kolumne auf liga3-online.de mit großer Wahrscheinlichkeit bestätigen wird.
Nein, wir suchen keine billigen Ausreden für die aktuelle unbefriedigende Situation. Aber dass 1860 seit Monaten von der Schiedsrichter-Gilde immer wieder – unbewusst – benachteiligt wird (Stichwort: souveräner Spitzenreiter in der Rafati-Tabelle), darf und muss öffentlich thematisiert werden. Und nicht aus Angst vor Gegenwind im Löwen-Käfig verschwiegen werden. Gegen alles wird heutzutage in der Fankurve protestiert. Nur nicht gegen Entscheidungen, die die eigene Mannschaft schwächen. Wo ist der Aufschrei, wenn es um die eigenen Interessen geht? Wollt ihr nicht aufsteigen? Warum kämpft ihr nicht für Sechzig?
Der Eindruck verfestigt sich, dass die Löwen derzeit alles mit sich machen lassen und sich nicht wehren. Es reicht nicht, wenn nur Trainer Markus Kauczinski mosert („Klarer Elfmeter – das reiht sich in eine lange Liste von Fehlentscheidungen gegen uns ein“). Der Löwen-Finger gehört in die noch VAR-lose Wunde gelegt. So ergibt Profifußball keinen Sinn, wenn es Woche für Woche zu krassen Fehlentscheidungen zu Lasten des TSV 1860 München kommt. Es geht um Millionen – doch der DFB wird seiner Verantwortung als Ligenträger nicht gerecht.
Kurz vor Weihnachten versprach Präsident Gernot Mang auf einer Weihnachtsfeier: „Da müssen wir jetzt bald mal was unternehmen!“ Reden allein reicht nicht mehr. Es ist Zeit, endlich aktiv zu werden – damit wir nicht Woche für Woche über Schiedsrichterleistungen sprechen müssen.






