VON OLIVER GRISS

Um noch einmal die Markenkraft von 1860 München zu verstehen: Am Dienstag, einen Tag nach dem Deadline Day, waren die Löwen-Fans sehr aktiv auf db24: 50.237 (!) User tummelten sich auf unserem Portal, freilich in der Hoffnung, dass die drittklassigen Sechzger auf dem Transfermarkt doch noch zuschlagen. Doch diese Erwartung erfüllte sich nicht. Anders als bei vielen Rivalen drehte sich an der Grünwalder Straße 114 das Transferkarussell nicht.

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Natürlich sind neue Spieler keine Garantie für bessere Ergebnisse, aber zumindest hätte man die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass man mit punktuellen Kaderverstärkungen angesichts der massiven Ausfallliste die Chancen erhöht, näher an die Aufstiegsränge zu rücken. Zumal offensichtlich ist, wo die Löwen nach dem Ausfall von Knie-Patient Tunay Deniz der Schuh drückt - vor allem in der Mittelfeldzentrale fehlt ein Mann, der das Spiel lenkt und die Stürmer in Szene setzt. Die Löwen suchten aber vermutlich nicht dieses Profil (um dem eigenen Nachwuchs nicht den Weg zu verbauen?), sondern laut TransferRoom einen schnellen Stürmer. Dickson Abiama war bis zuletzt ein Kandidat, doch der Nigerianer wechselte vom 1. FC Kaiserslautern lieber zu Rot-Weiss Essen. Ein Dämpfer für Geschäftsführer Manfred Paula, dem neben seiner guten Nase für die Trainer-Wahl (Markus Kauczinski) auch ein ordentlicher Spielertransfer nicht geschadet hätte. Aber auch dem neuen Präsidium, das positive Nachrichten benötigt.

Erst vor ein paar Tagen hatte Ober-Löwe Gernot Mang beim Neujahrsempfang im Pschorr am Viktualienmarkt in einem Video erklärt: “Für uns ist diese Auftaktveranstaltung 2026 ganz, ganz wichtig. Wir haben gesagt, es ist ein wichtiges Jahr für die Löwen. Es wäre mein Wunsch, wenn wir die Löwen nach außen wunderbar vertreten - und dass wir am letzten Spieltag einen schönen Platz in der Tabelle haben.”

Für einen “schönen” Platz braucht’s aber auch den richtigen Weitblick. Logisch, rein rechnerisch ist noch alles möglich: Es sind noch 48 Punkte zu vergeben. Bei 16 ausstehenden Spielen braucht’s vermutlich 12 bis 13 Siege, um das Giesinger Wunder noch zu realisieren. Kauczinski gibt alles, aber zaubern kann auch er nicht.

Dass just rund um den Deadline Day der TSV 1860 vermeldete, dass der Klub einen internationalen Top-Experten für die Machbarkeitsstudie für den Umbau des Grünwalder Stadions gefunden habe, ist zwar nett, aber eigentlich keine Meldung wert, denn der Löwe braucht Fakten und keine Worte - und so wird man das Gefühl nicht los, dass die Prioritäten bei 1860 weiterhin falsch gesetzt werden. Würden sich die Löwen für ihre Profifußball-Abteilung genauso ins Zeug legen wie bei der Giesinger Stadiondiskussion, würden sie uneinholbar auf Platz 1 stehen…