VON DR. TOBIAS KNÖSSL

Droht den Löwen wieder das vorzeitige Aus im Aufstiegsrennen? Nach dem 2:2 gegen Alemannia Aachen, dem vierten sieglosen Spiel in Folge, wächst der Abstand auf den Relegationsplatz auf sieben Punkte. Dr. Tobias Knössl (43) aus Ingolstadt hat uns einen Gast-Kommentar zugeschickt.

Die Rückrunde ist gerade einmal drei Spieltage alt und mit drei aus neun möglichen Punkten bleibt nüchtern festzuhalten, dass aus dem groß angekündigten Angriff auf die Aufstiegsplätze (erst einmal) nichts geworden ist. Die Realität heißt - mal wieder - tristes Mittelmaß. Natürlich, der Ausfall einiger Leistungsträger wie Jesper Verlaat, Tunay Deniz, Florian Niederlechner, Sigurd Haugen oder auch Sean Dulic wiegt schwer. Und ja, das Auftaktprogramm gegen zwei Aufstiegsaspiranten (Essen und Osnabrück) und das bis dato viertstärkste Auswärtsteam (Aachen) hätte leichter ausfallen können. Aber dennoch stand in allen Spielen der bisherigen Rückrunde eine Löwen-Mannschaft auf dem Platz, die zum Großteil aus überdurchschnittlichen Drittliga-Spielern besteht - zumindest auf dem Papier. Und zur Wahrheit gehört auch, dass keiner der drei Gegner sich letzen Endes als übermächtig erwiesen hat.

Wo können also die Gründe der ernüchternden Punkteausbeute liegen? Aus meiner Sicht ist es ein Zusammenspiel vieler Faktoren auf unterschiedlichen Ebenen im Verein, welches jegliche Anfangseuphorie bereits wieder im Keim hat ersticken lassen nach dem verheißungsvollen Testspiel-Sieg gegen Winterthur am Ende des Winter-Trainingslagers.

Zunächst einmal fällt ins Auge, dass es in allen Mannschaftsteilen an Grundschnelligkeit und Spritzigkeit fehlt. In der Abwehr kann das überwiegend durch gutes Stellungsspiel von Reinthaler und Co. kaschiert werden. Im Mittelfeld und Sturm kann das fehlende Tempo hingegen nicht kompensiert werden. Zu behäbig wirkt der Spielaufbau aus dem Zentrum heraus - von Kreativmomenten und flüssigem Kombinationsspiel ganz zu schweigen. Ein schnelles Spiel über die Außenpositionen ist schlichtweg gar nicht vorhanden. Und falls dies in Ausnahmefällen doch mal gelingen sollte, ist zumeist die Flankenqualität am Ende nicht ausreichend, um Torgefahr entwickeln zu können. Im Sturmzentrum haben wir - bis auf Haugen - kaum jemanden, der mal tief gehen und seinem Gegenspieler entwischen könnte.

All diese Erkenntnisse sind nicht neu, weshalb es umso mehr verwundert, dass bis zur Wechselfrist personell - so wie es aussieht - nicht mehr nachjustiert wird. Insbesondere ein schneller Flügel- sowie spielstarker zentraler Mittelfeldspieler wären essentiell, um das Offensivspiel der Löwen zu beleben. Dass 1860 finanziell nicht auf Rosen gebettet ist, ist hinlänglich bekannt. Dennoch bin ich der Meinung, dass man mit Kreativität und einem guten Spieler- bzw. Beraternetzwerk interessante und auch preislich realisierbare Spieler hätte verpflichten können. Konkurrenten aus der dritten Liga machen es vor, indem sie Leihspieler aus der zweiten Bundesliga oder spannende Spieler aus dem Ausland holen. Nichts gegen neue Formen der Spieler-Akquise, aber nur mit „Tindern“ auf „TransferRoom“ scheint man wohl nicht ans Ziel zu gelangen.

Darüber hinaus scheint der über weite Strecken träge und äußerst fehleranfällige Auftritt gegen Aachen nicht den Eindruck zu vermitteln, als wäre die Mannschaft mittlerweile auf einem körperlichen sowie geistigen Fitnesslevel, das berechtigte Hoffnungen auf einen der vorderen Tabellenplätze machen könnte. Ab der 60. beziehungsweise 65. Minute lassen wir - wie bereits in der Vorrunde - regelmäßig physisch spürbar nach, so dass größere Lücken im Mittelfeld entstehen und wir uns viel zu tief fallen lassen. Auch wenn gegen Aachen in den letzten zehn Minuten nochmal ein kleines Aufbäumen erkennbar war: Das kann letztlich nicht der Anspruch von 60 München im ausverkauften Grünwalder Stadion sein - insbesondere dann, wenn lediglich ein Sieg zählt. Und so scheint es auch in der Saison 2025/2026 so zu sein, dass das Aufstiegsrennen frühzeitig ohne 1860 stattfinden wird. Oder gibt‘s doch noch den ersehnten Turnaround? Die Löwen-Hoffnung stirbt zuletzt.

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