Das db24-Interview mit Masken-Experte Aygün: "Haugen soll einfach auf sein Gefühl hören"
- VON OLIVER GRISS UND BERND FEIL (FOTO)
- 29.01.2026 17:08
- 4 Minuten Lesezeit
- 12 Kommentare
VON OLIVER GRISS UND BERND FEIL (FOTO)
Wir haben mit einem Experten auf diesem Gebiet gesprochen - Necat Aygün, früherer Spieler und Sportdirektor des TSV 1860. Das db24-Interview:
db24: Sie ahnen, warum wir anrufen?
Necat AYGÜN: Nein!
db24: Wir helfen Ihnen auf die Sprünge: 1860, Sigurd Haugen, Maske…
Jetzt bin ich im Thema. Aber wie sieht die Maske denn aus?
db24: Wir schicken Ihnen sofort ein aktuelles Foto per Whatsapp.
(überlegt und lacht kurze Zeit später): Haugen sieht aus wie Hannibal Lecter. Ich kann mir vorstellen, dass mit dieser Maske das Sichtfeld noch mehr eingeschränkt ist als es bei mir war. Die Maske von Haugen macht mir einen deutlich dickeren Eindruck. Desegen wird die volle Ball-Kontrolle schwieriger, wenn er die Kugel am Fuß führt oder ins Dribbling gehen will. Da kommt es viel auf Instinkt und Intuition an. Was man wissen muss: Als Verteidiger hast du es mit Maske einfacher - weil du das Spiel vor dir hast.

db24: Sie gelten als absoluter Experte bei Masken: Wird die Maske Haugen das Gefühl der totalen Sicherheit geben?
Man kann nie ausschließen, dass wieder etwas passiert. Haugen soll einfach auf sein Gefühl hören. Klar ist, er wird auf dem Platz mit Gegenwehr rechnen müssen. Keiner der Verteidiger wird zurückziehen, nur weil Haugen, der für mich ein Vollblutstürmer und eine Bereicherung für 1860 ist, eine Maske trägt.
db24: Wie war das bei Ihnen damals?
Ich hatte ja zwei schwere Gesichtsverletzungen. 2005 Bruch der Augenhöhle, rechte Seite - als Haching-Spieler. In Dresden ist es passiert. Zwei Wochen später habe ich wieder gespielt, ich wollte das Derby in der Allianz Arena gegen meinen Jugendverein 1860 unbedingt bestreiten.
db24: Die Ärzte gaben grünes Licht?
Nein, sie hatten ihre Zweifel. Deswegen musste ich auf eigenes Risiko spielen und hatte dafür auch ein Formular unterschrieben, dass ich auf eigene Veranwortung in den Spielbetrieb zurückkehre. Ich würde das heute wieder genauso tun. Ich bin das Risiko bewusst eingegangen. Wir haben als absoluter Außenseiter mit 4:1 gewonnen…
db24: Und Sie haben zwei Tore erzielt - mit Maske…
(lacht): Das haben jetzt Sie gesagt.
db24: 2011 mussten Sie wieder Maske tragen - dann als Rückkehrer bei 1860 München: Was war genau passiert?
Nach einem Zusammenprall bei einem Testspiel in St. Pölten in Österreich hatte ich mir das Jochbein, die Kieferhöhle gebrochen - und den Schädel angebrochen. Meine ganze linke Gesichtshälfte war kaputt, das Physioteam dachte zunächst auch, dass mein Auge in Mitleidenschaft gezogen worden ist. Ich bin insgesamt zehn Wochen ausgefallen, aber nur so lange, weil ich mir auch das Innenband gerissen hatte. Sonst hätte ich bestimmt früher wieder gespielt (lacht).
db24: Haben Sie die Masken von damals noch?
Ja, die liegen bei mir auf dem Dachboden - und da werden sie auch hoffentlich bleiben (lacht).
db24: Lassen Sie uns noch kurz über das Sportliche bei 1860 München reden: Der Kader ist durch Verletzungen stark gebeutelt: Würden Sie jetzt noch auf dem Transfermarkt reagieren?
Ich glaube, der Kader ist nicht besonders günstig, deswegen hat das aus meiner Sicht finanzielle Gründe, warum 1860 jetzt nicht reagiert. Du musst halt in einem bestimmten Budget arbeiten. Ich finde den Kader stark aber genug, um alles in die richtige Richtung zu lenken. Ein Aufstiegskader ist das aber nicht…
db24: Das müssen Sie uns genauer erklären!
1860 hat richtig gute Einzelspieler, aber mir fehlt ein wenig die Ausgewogenheit: Man hat das Augenmerk für meinen Geschmack zu sehr auf die Offensive gelegt. Nehmen wir die Abwehr: Sean Dulic ist ein guter Junge, aber der bräuchte neben sich einen erfahrenen Mann mit Bundesliga- oder Zweitliga-Erfahrung. Da hätte man noch was machen müssen, auch in punkto Schnelligkeit. Und über die Außenbahnen ist man zu ungefährlich.
db24: Wo landet 1860 zum Saisonende?
Natürlich würde ich mir den Aufstieg wünschen. Aber mir fehlt, ehrlich gesagt, die Phantasie dazu. 1860 wird im oberen Mittelfeld landen. Mir fehlt die Konstanz, aer die kann ja noch kommen. Wenn ich mich täusche und meine Löwen auf einen der ersten drei Plätze landen, dann hätte das allein Markus Kauczinski zu verantworten. Er ist wirklich ein herausragender Trainer.
db24: Wann sieht man Sie nach Ihrem Aus beim Karlsruher SC wieder im Fußball-Geschäft?
Ich führe derzeit Gespräche und habe ein interessantes Angebot aus dem Ausland vorliegen. Schauen wir mal, was in den nächsten Wochen passiert. Durch mein zweites Standbein mit meiner Frau, den Kitas, bin ich sehr beschäftigt. Ich kann mich über zu wenig Arbeit momentan nicht beschweren. Aber Fußball ist meine große Leidenschaft - und deswegen würde ich gerne wieder ins Geschäft zurückkehren.






