VON OLIVER GRISS UND HAGEN WOLF (FOTO)

Die Ausgangslage ist für den TSV 1860 gar nicht mal so verkehrt: Nur vier Punkte beträgt der Rückstand auf den Relegationsplatz. Doch ausgerechnet jetzt begleitet den Drittliga-Dino eine noch nie dagewesene Verletzungsseuche: Nicht weniger als elf Spieler fallen für das Auftaktspiel gegen Rot-Weiss Essen (Samstag, 14 Uhr, db24-Ticker) aus. Der Klub hat auf die Personal-Misere bislang nicht reagiert und blieb auf dem Transfermarkt untätig.

Dabei wäre ein guter Start jetzt so wichtig, um nicht den Anschluss an die vorderen Plätze zu verlieren. Für Sechzig gibt es keine Alternative zum Aufstieg in die Zweite Liga. Allein aus dem TV-Topf würden die Giesinger rund sechs Millionen Euro mehr erhalten – derzeit liegt der Erlös bei überschaubaren 1,38 Millionen Euro.

Seit acht Jahren krebst 1860 in der Dritten Liga herum. Der 52-jährige Wirtschaftsexperte Professor Dr. Henning Zülch, Leiter des Lehrstuhls für Rechnungswesen, Wirtschaftsprüfung und Controlling der HHL Leipzig Graduate School of Management, erklärt in einem exklusiven db24-Interview: „Der Aufstieg in die 2. Bundesliga ist für den TSV 1860 München keine sportliche Prestige-Frage, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Der Sprung von der 3. in die 2. Liga bedeutet im deutschen Profifußball einen fundamentalen Strukturwechsel. Medienerlöse, Sponsoringvolumen, Marktwerte und die allgemeine Sichtbarkeit steigen deutlich und vor allem planbarer an. Für einen Traditionsklub wie 1860 ist die 2. Liga die Ebene, auf der sich sportlicher Erfolg erstmals wieder nachhaltig wirtschaftlich absichern lässt.“

Der entscheidende Zülch-Satz, den man bei 1860 unbedingt verinnerlichen sollte: „Erst dort entsteht ein Erlösniveau, das Investitionen in Kader, Nachwuchs, Infrastruktur und Organisation erlaubt, ohne permanent am finanziellen Limit zu operieren. In der 3. Liga hingegen wirken Fehlentscheidungen sofort existenziell, weil die finanziellen Spielräume sehr begrenzt sind. Darüber hinaus ist die 2. Liga auch für Sponsoren, Investoren und Partner ein anderes Signal. Sie steht für höhere Stabilität, bessere Vermarktungsmöglichkeiten und eine glaubwürdigere Zukunftsperspektive. Ohne diesen Schritt bleibt 1860 strukturell limitiert – unabhängig von seiner Tradition und Fanbasis.“

Deshalb fasst Zülch zusammen: „Die 2. Liga ist für 1860 keine Kür, sondern die wirtschaftliche Grundlage.”

Das ausführliche Interview mit Professor Dr. Henning Zülch, bekannt aus der Doku Rise & Fall, über die Marke 1860, 50+1, Hasan Ismaik und die Kraft der Löwen-Brust lesen Sie am Samstagmorgen auf db24.