Sechzig braucht Zweite Liga!
- VON OLIVER GRISS
- 14.01.2026 09:46
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VON OLIVER GRISS
Doch es gibt ein massives Problem: Markus Kauczinski gehen die Spieler aus. Am Dienstag standen auf dem Einserplatz an der Grünwalder Straße 114 nur noch 16 einsatzfähige Feldspieler zur Verfügung. Darin eingerechnet sind bereits die drei Nachrücker aus dem NLZ – Loris Husic, Noah Klose und Damjan Dordan – sowie Vize-Kapitän Thore Jacobsen, der gegen Essen gesperrt ist. So große personelle Sorgen hatte 1860 in dieser Form noch nie – und das ausgerechnet vor dieser schicksalsträchtigen Rückrunde.
Macht sich die Zurückhaltung der sportlichen Kommandobrücke auf dem Transfermarkt nun negativ bemerkbar? Während sich die meisten Klubs vor den Löwen noch einmal verstärkt haben, ist bei Sechzig auf der Zugangsseite bislang nichts passiert. Einerseits ist das ein Vertrauensbeweis in die Kaderzusammenstellung des Sommers und zeigt, dass Geschäftsführer Manfred Paula – der naturgemäß die Finanzen im Blick hat – kein Freund von Aktionismus ist. Andererseits wirkt es angesichts der aktuellen Personallage fast schon fahrlässig, nicht zu handeln.
Denn schon im Januar werden die Weichen für die Zukunft gestellt – mit den Spielen gegen Essen, Osnabrück und Aachen. Holt man hier möglichst viele Punkte, ist man mittendrin im Aufstiegsrennen. Lässt man Federn, droht ein weiteres Dino-Jahr in der Drittklassigkeit. Und bis Unterschieds-Löwe Sigurd Haugen zurückkehrt, könnte die Messe zu Ungunsten von Sechzig längst gelesen sein.
Nein, ich gehöre nicht zu jenen Beobachtern des Klubs, die reflexartig sagen: „Egal in welcher Liga …“ Nein. Und ja, ich habe die wilde Bayernliga-Zeit miterlebt. Sie war altersbedingt einerseits spannend, andererseits vor allem verlorene Zeit. Neun Jahre vergingen nach dem Zwangsabstieg 1982, bis Karsten Wettberg die Löwen 1991 zurück in die Zweite Liga führte und zum König von Giesing wurde.
Jetzt dümpelt 1860 seit acht Jahren fernab des Profifußballs in der Dritten Liga – weil in dieser Phase Politik stets wichtiger war als der Sport und das Premiumprodukt TSV 1860 selbst. Das ist das bittere Ergebnis dieser schrägen und ermüdenden Vereinspolitik.
Dabei hätte ein Aufstieg in die Zweite Liga so viele Vorteile – und das nicht nur in Sachen Image und Prestige. Allein die TV-Einnahmen würden explodieren: Während 1860 aktuell rund 1,38 Millionen Euro erhält, winken im Aufstiegsfall rund sieben Millionen Euro pro Saison aus dem TV-Topf. Die Merchandising-Einnahmen würden steigen, ebenso die Attraktivität für neue Mitglieder. Zudem hätte der Klub eine völlig andere Ausgangsposition im Kampf um die eigenen Talente: Der Marktwert des Kaders würde sich nahezu verdoppeln, vor allem junge Spieler würden deutlich höher gehandelt – und nicht länger für ein Butterbrot im Schaufenster stehen. Und dann wäre da noch die Stadion-Frage. Ein Aufstieg wäre ganz sicher kein Nachteil in den Verhandlungen mit der Stadt München - genauso wenig wie im Hinblick auf Hasan Ismaiks geplanten Anteileverkauf. Auch dort würde Bewegung reinkommen.
Genau deshalb braucht Sechzig mindestens die Zweite Liga.
Oliver Griss (54) berichtet seit 37 Jahren über den TSV 1860. Im Jahr 2011 gründete er das Portal dieblaue24.






