VON OLIVER GRISS UND STEFAN MATZKE (FOTO)

Als an diesem frühen Samstagmorgen im "Sunexpress"-Bomber kurz vor dem Landeanflug in München aus den Lautsprechern „Here Comes the Sun“ erklang, rümpfte der ein oder andere Löwe vermutlich die Nase: Von der türkischen Sonne in Belek ging es zurück in die oberbayerische Kälte. „Ich fahr jetzt ins Allgäu – und geh auf die Ski“, sagte Kevin Volland kurz nach der Ankunft grinsend. Ob der Schnee reichen wird, bleibt abzuwarten – kalt ist es im Vergleich zu den jüngsten Sonnentagen an der türkischen Riviera auf jeden Fall.

Der Ex-Nationalspieler hatte das Trainingslager, in dem am letzten Tag auch noch Ex-Löwe Miki Stevic im Teamhotel “Susesi” aufgetaucht war, als Gewinn empfunden – und trotzdem ist der 33-Jährige nicht traurig darüber, dass die gemeinsamen Tage nun schon wieder vorbei sind: „Irgendwann ist es auch gut.“

Markus Kauczinski kann mit der Woche in der Türkei mehr als zufrieden sein. Der Trainer der Löwen konnte sein Programm durchziehen, zudem gewann seine Mannschaft den XXL-Test gegen den Schweizer Erstligisten FC Winterthur souverän und ungefährdet mit 4:1. Getrübt wurde das Camp allerdings von drei weiteren Verletzungen: Jesper Verlaat, Manuel Pfeifer und Sean Dulic fielen aus. Als hätte sich gegen die Löwen irgendetwas verschworen – die Ausfallliste wird immer länger. Viel darf nicht mehr passieren, sonst bekommt 1860 ein massives Problem.

Die Startelf für den Rückrundenauftakt gegen Rot-Weiss Essen (17. Januar) hat sich längst herauskristallisiert, auch wenn Kauczinski das noch nicht offiziell bestätigen wollte. Logisch: Er will die Spannung hochhalten. Doch angesichts der vielen Ausfälle stellt sich die Mannschaft in den ersten Wochen fast von selbst auf. „Es gibt schon ein Gerüst, das steht“, sagt Kauczinski. „Zwei bis drei Positionen sind noch umkämpft.“ Gemeint sind die beiden Außenbahnen – und die Rolle neben Philipp Maier. Angesichts der Leistungen im Winterthur-Test durfte sich der Löwen-Coach bestätigt fühlen, Kilian Jakob (links) und Clemens Lippmann (rechts) das Vertrauen geschenkt zu haben. Was man allerdings ebenfalls festhalten muss: Sowohl Marvin Rittmüller als auch Tim Danhof machten nach ihren Einwechslungen ihre Sache gut.

Überhaupt präsentierten sich die Löwen gegen Winterthur erstaunlich reif – sowohl in der Spielanlage als auch in der Arbeit gegen den Ball. Dass 1860 den Trip nach Belek auch mithilfe von Schauinsland Reisen realisieren konnte, war für Kauczinski ein echter Glücksfall: „Es war eine runde Sache. Ich bin froh, dass wir in Belek waren. Wenn ich höre, was in Deutschland wettertechnisch los ist, dann haben wir alles richtig gemacht. Es war eine Mischung aus Harmonie, Feuer & Bissigkeit - das war eine gute Woche.“

Dass in München-Giesing nun wieder deutlich schlechtere Trainingsbedingungen auf die Löwen warten, nimmt Kauczinski pragmatisch: „Wir müssen es nehmen, wie es kommt. Es macht keinen Sinn, darüber zu diskutieren, ob wir hätten verlängern sollen. Wir müssen eine Woche später ohnehin in der Kälte spielen. Von daher ist es auch richtig, jetzt wieder daheim zu sein. Egal ob harter Rasen oder geräumter Kunstrasen – wir werden das Beste aus der Situation machen. Die Bedingungen sind für alle gleich.“ RWE, der kommende Gegner, testet heute gegen Dynamo Dresden, ehe es zurück in den Westen geht.

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Und Kauczinski, der am Samstagnachmittag bei Bayern 1 in der Kultsendung „Heute im Stadion“ als Studiogast zu hören ist, äußerte auch einen Wunsch für die kommende Woche: „Ich hoffe, dass Florian Niederlechner jetzt schnell wieder dazukommt. Er ist im Lauftraining.“ Persönlichen Kontakt hatte der Löwen-Trainer zuletzt nicht mit seinem in den letzten Tagen in Rosenheim verbliebeben Stürmer-Routinier, sondern Physiotherapeut Nick Wurian. Immerhin eine positive Nachricht – angesichts der immer länger werdenden Ausfallliste.