Mang stellt sich den 1860-Fans: Kommt finanzielle Hilfe von Ministerpräsident Söder fürs Grünwalder Stadion?
- VON OLIVER GRISS UND STEFAN MATZKE (FOTO)
- 07.01.2026 08:02
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VON OLIVER GRISS UND STEFAN MATZKE (FOTO)
Allesfahrer Roman Wöll zog nach der rund 25-minütigen Unterredung folgendes Fazit: „Zunächst finde ich es super, dass sich Gernot Mang den Fans stellt. Große Neuigkeiten hat man aus meiner Sicht zwar nicht erfahren, aber dass sich Mang stellt – da kann man nix sagen. Mang hatte sehr lange Sprechphasen, eines der Hauptthemen war die Machbarkeitsstudie. Es wurde aber auch über Markus Söder und mögliche Zuschüsse gesprochen.“ Heute reist Mang aus Belek wieder ab.
db24 geht ins Detail – das waren gestern die Schwerpunkt-Themen beim Fantalk:
Die Machbarkeitsstudie: Mang berichtete den Fans, dass er sich mit Oberbürgermeister Dieter Reiter getroffen habe. Beide Seiten wünschten sich eine gute Stadionlösung für München. „Wir brauchen eine wirtschaftliche Lösung – wirtschaftlich heißt: 25.000 Zuschauer, Logen, Vollüberdachung. Ein Schmuckkästchen, das unsere Heimat ist“, erklärte Mang. Dafür habe man eine Stadionkommission gegründet, bestehend aus Architekten und Vereinsvertretern. Zudem sei man ins Archiv gegangen, um alte Baugenehmigungen zu prüfen: „Welche gilt – die von 1956, 1973 oder 1995? Das war mühsame Arbeit, aber notwendig, um voranzukommen – immer in Kooperation mit der Stadt.“ Mang machte deutlich, dass es in der Vergangenheit Personen gegeben habe, die in der Stadt „unerwünscht“ gewesen seien. Der Klub hatte dem Treiben acht (!) Jahre zugesehen. Bei ihm sei jetzt eine neue Basis. Mang erklärt: „Der Oberbürgermeister wollte mit 1860 nichts mehr zu tun haben – das hat sich geändert.“ Inzwischen habe der Verein mehrere Unternehmen wegen der Umsetzung einer Machbarkeitsstudie angeschrieben: „Wir haben Angebote vorliegen und werden die Studie jetzt auch in Auftrag geben. Bis Mitte des Jahres wollen wir wissen: Geht es – oder geht es nicht.“ Ein klares Ausschlusskriterium sei eine Kapazität von nur 18.000 Zuschauern: „Dann werden wir es nicht machen.“ Finanziert werden soll die Studie nicht nur vom Klub, sondern auch durch Unterstützer aus dem Vereinsumfeld. In dem Zusammenhang wurde auch bekannt, dass Ex-Geschäftsführer Oliver Mueller offenbar eine Studie für rund 85.000 Euro in Auftrag gegeben hatte. Mang stellte klar: „Das war für Riem mit 35.000 Zuschauern – nicht für das Grünwalder Stadion. Es war aber keine Machbarkeitsstudie und wurde von der KGaA nie weiterverfolgt. Dieses Grundstück gibt es nicht mehr.“ Zwar gebe es ein anderes Grundstück in Riem, doch dieses sei problematisch: „Keine U-Bahn-Anbindung.” Alternative: Genügend Parkmöglichkeiten bei der Messe Riem.
Die Erbpachtlösung: Man strebe laut Mang eine sogenannte 1-Euro-Lösung an, damit man das Grünwalder Stadion 40, 50 Jahre habe. Der Vorteil sei laut Mang: Schnelligkeit und bessere Konditionen bei Bauthemen. “Das wäre dann unser Stadion”, sagt der Porzellan-Manager. Dann könne man auch kleinere Vereinssitzungen dort durchführen - ohne extra bezahlen zu müssen. Zur Mitgliederversammlung im Sommer wolle man eine Stadion-GmbH gründen - das ist zumindest der Plan. Wie kann das Projekt, das runde 150 Millionen Euro aufwärts kostet, finanziert werden? “Wir werden auch mit der Stadt sprechen, die müssen das Grünwalder so oder so umbauen. Auch Ministerpräsident Söder hat gesagt, dass er Nürnberg unterstützt.” Mang erhoffe sich durch diese Aussage, dass der Freistaat auch die Löwen unterstützen werde. Söder will die Hälfte der Baukosten in Nürnberg tragen, erzählte er im Mai 2025. Allerdings muss man wissen: der Club ist sein Herzensverein und zum anderen ist das Stadion auch immer wieder ein Ort für Fußball-Länderspiele. Und dann wären da noch die Namensrechte am Giesinger Stadion. Auch ein Genossenschaftsmodell komme in Betracht, so Mang. Dass die Bayern mit ihrer U21 bei einer Einigung mit der Stadt im Grünwalder weiter spielen, das lächelte Mang am Dienstag weg. Konkrete Gespräche zur Stadionfinanzierung hätten laut Mang allerdings noch nicht begonnen.
Die Finanzen des e.V.: Auch die angespannte finanzielle Lage des e.V. war Thema in Belek. Auf der vergangenen Mitgliederversammlung war ein Minus von rund 900.000 Euro bekanntgegeben worden. Mang räumte ein, dass man überrascht gewesen sei: „Die Prozesse und Abläufe waren nicht sauber. Wir müssen schauen, dass es in Zukunft besser wird.“ Deshalb habe man die Fußballabteilung neu strukturiert und breiter aufgestellt. Künftig gelte das Vier-Augen-Prinzip. Für das laufende Jahr plane der e.V. mit einem weiteren Verlust von rund 200.000 Euro. Mang abschließend: „Wir als e.V. müssen wieder stabiler werden.“ Ob in Zukunft die finanzielle Kontrolle wieder besser wird?
Die Neugestaltung der KGaA-Organisation: Manfred Paula macht momentan alles: Sport, Finanzen und auch noch das NLZ. Wie lange soll das so bleiben? “Ein Finanz-Geschäftsführer kommt nicht von heute auf morgen - der Prozess zieht sich”, sagt Mang: “Wir konzentrieren uns momentan auf den Sport.” Heißt vermutlich: Man will abwarten, ob die Löwen in diesem Sommer aufsteigen oder nicht. Ende Januar könnte aber trotzdem eine neue Personalie hinzukommen, um Paula etwas zu entlasten. Nach db24-Informationen ist auch Ex-Kapitän Stefan Lex nach dessen Auszeit offenbar wieder ein Thema. Die Saison, so Mang, sei aktuell durchfinanziert. Und wie ist der Ist-Zustand mit Mehrheitsgesellschafter Hasan Ismaik? Man sei sich einig, dass man versuchen müsse, auf eine schwarze Null zu kommen. Heißt vermutlich: Ismaik hat keine große Lust mehr, ständig die Defizite auszugleichen. “Das ist auch unser Ziel”, bestätigt Mang.






