Ja, ja: Der böse Herr Gräfer...
- VON OLIVER GRISS
- 01.01.2026 16:08
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VON OLIVER GRISS
Dieser Satz ist genau so gefallen.
Später stellte sich heraus: Ex-Präsident Karl-Heinz Wildmoser hatte im Vorfeld leise auf die ARGE eingewirkt. Politik in Fangruppierungen? Gab es schon damals. Auch die Opposition – Giesinger Blut in den Adern – versuchte regelmäßig, auf uns Löwen-Reporter Einfluss zu nehmen. Schon zu Zeiten, als 1860 im Olympiastadion noch Europapokal spielte, wurde tief in die Trickkiste gegriffen.
Ein gewisser „Flo-Flo“ (Name geändert) ließ bei loewenforum.de regelmäßig unter der Gürtellinie über die AZ-Reporter vom Leder. Ein unscheinbarer Typ, aber Besserwisser – der Running Gag in unserer damaligen Redaktion. Er gab sich als Journalist aus, offenbar mit großen Ambitionen, eines Tages selbst für die AZ zu schreiben, damals die unangefochtene Nummer eins in München.
Warum dieser Rückblick? Ganz einfach: Geschichte wiederholt sich.
Nachdem sich das ansonsten sehr erfolgreiche Löwenmagazin jüngst über die Serie „Die Löwen-Clans“ der Abendzeitung echauffierte – inklusive eines schiefen Querverweises zu kriminellen Großfamilien – geriet auch Martin Gräfer ins Visier. Vorstand der Bayerischen, Hauptsponsor des TSV 1860, neben Hasan Ismaik eine der wenigen Konstanten dieses Vereins.
Gräfer hatte in der “TZ” über seinen Wunsch nach mehr Mitbestimmung der Mitglieder gesprochen. Außerdem stellte er in Aussicht, bei einer hybriden Mitgliederversammlung über einen Einstieg als Gesellschafter nachzudenken. Spätestens da war es vorbei mit der Contenance im Löwen-Kosmos – zumindest bei jenen, die seit acht Jahren eine erfolgslose Vereinspolitik feiern und verteidigen. Da fällt dann schon mal der Satz: „Als Wäscheständer für die schmutzige Wäsche zwischen den Feiertagen darf Martin Gräfer dienen.“ Gräfer sorge mit seinem Bündnis für „ordentlich vereinspolitische Unruhe“.
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Dass auf der anderen Seite in schöner Regelmäßigkeit Geschäftsführer, Vize-Präsidenten oder Trainer gehen mussten, sobald sie nicht laut genug Hosianna schrien – kein Wort darüber. Und weil gerade Blog-Feiertage sind, hat ein Influentsser für sechzger.de, der zuletzt auch in der Löwen-Doku zu sehen war, sein Bestes gegeben und Gräfer zum Unruheherd erklärt. Ja, ja – der böse Gräfer. Millionen reinschießen, den Mund halten, bitte lächeln. So würde es manchen passen.
Zur Begründung werden Namen wie Günther Hiermaier, Florian Baur, Christian Bernhardt, Adolf Roesch oder Andreas Höttler bemüht – allesamt Geschäftsführer von Hauptsponsoren von Fußballklubs, die sich angeblich nicht in die Vereinspolitik einmischen. Schön.
Dann ergänzen wir diese Liste doch einmal – der Ausgewogenheit halber:
Klaus-Michael Kühne, Martin Kind, Hartmut Ostermann, Dietmar Hopp, Jürgen Machmeier oder Dirk Roßmann. Wenn es bei ihren Klubs zu Fehlentwicklungen kommt, stehen sie auf der Matte – und zwar nicht nur intern, sondern auch öffentlich. Schon mal diese Namen gehört, Herr Kranzberger?
Und jetzt mal ehrlich: Solange die Löwen nicht erfolgreich sind und sich nicht öffnen, ist Kritik kein Selbstzweck. Sie ist notwendig. Nicht, weil sie Mode ist. Sondern weil sie Verantwortung bedeutet. Wer Kritik verhindern will, muss nicht Journalisten, Sponsoren und Mehrheitsgesellschafter angreifen – sondern endlich liefern. Wir warten darauf seit vielen Jahren. Genau deswegen ist Gräfer als Stimme sehr wichtig.
Oliver Griss berichtet seit 1989 über den TSV 1860 München. Der 54-jährige ausgebildete Sportjournalist arbeitete unter anderem für die Abendzeitung (12 Jahre), BILD und dapd. 2011 gründete er dieblaue24, das größte unabhängige Löwen-Portal mit rund 40 Millionen Seitenaufrufen pro Jahr.






