VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)

Im Gespräch mit der “Süddeutschen Zeitung” schildert Hannover-Boss Martin Kind seine Sichtweise auf den geplatzten Investoren-Deal der DFL und die 50+1-Regel im deutschen Fußball. “Alles, was wirtschaftliche Konnotationen hat bei Hannover 96, das muss das Kapital entscheiden. Das versteht eigentlich auch jeder. Oder haben Sie schon einmal jemandem eine Million Euro zur freien Verfügung gegeben?”

Beim TSV 1860 München, an dem Mehrheitsgesellschafter Hasan Ismaik seit 2011 60 Prozent der Anteile an der KGaA hält, wird über die Finanzen im KGaA-Aufsichtsrat entschieden. Die Besetzung der Geschäftsführung wird im Beirat entschieden. Hier hat der e.V. bei einer Pattsituation das doppelte Stimmrecht. Die drei letzten Personalien in der KGaA (Christian Werner, Marc Pfeifer und Oliver Mueller) wurden am Beirat vorbei entschieden - mit 50+1.

Der 79-jährige Kind will die aktuelle Diskussion um seine Person nicht auf sich sitzen lassen und attackiert DFL-Boss Aki Watzke, der auch bei Borussia Dortmund das Sagen hat, deutlich: “Borussia Dortmund ist die einzige börsennotierte Kapitalgesellschaft in den oberen beiden deutschen Profiligen. Dem Dortmunder e.V. gehören nur noch 4,6 Prozent der Fußballfirma. Ob in Dortmund nun 50+1 vollumfänglich beachtet wird, dazu könnte man vor dem Hintergrund möglicherweise auch einige Aspekte kritisch hinterfragen.”

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Kind will eine Lösung für den deutschen Fußball, aber nicht klein beigeben: “Man könnte theoretisch noch immer gegen 50+1 klagen, das ist auch eine mögliche Handlungsoption. Allerdings ist das nicht mein Ansinnen. Besser wäre eine Reform der Regelung. Wenn mich jemand kritisiert, akzeptiere ich das immer. Aber ich erwarte dann auch, dass alternative Vorschläge gemacht werden. Nur Nein zu sagen, ist kein Konzept. Man sollte stets additiv Vorschläge unterbreiten, über die man auch reden kann.”

Kind schlägt vor: “Die DFL muss den Mut haben, neu festzulegen: In welchen Fragen darf der e.V. mitreden und in welchen nicht? In welchen Fragen darf das Kapital mitreden und in welchen nicht? Die DFL könnte inhaltlich zukunftsorientiert Lösungen schaffen, ohne 50+1 aufgeben zu müssen. Dennoch gehört dazu eine Veränderungsbereitschaft.”