VON OLIVER GRISS UND BERND FEIL (FOTO)

Kommt er? Oder kommt er nicht? Am Ende ist Hasan Ismaik (46) nicht gekommen. Das war vermutlich auch ganz klug aus seiner Sicht. Damit hat sich der 1860-Mehrheitsgesellschafter einen möglichen Spießrutenlauf erspart. Beim 3:1-Heimerfolg am Sonntagabend über den Rivalen aus Ingolstadt rollten die mit Trillerpfeifen ausgestatteten Ultras ein XXL-Plakat aus - darauf war in dicken Lettern zu lesen: "Hasan, das ganze Stadion pfeift auf dich." Was natürlich nur die halbe Wahrheit ist: Die aktive Fanszene spricht weder für das komplette Grünwalder, noch für die große Löwen-Familie. Die Ultras sind ein wichtiger lautstarker Teil von 1860. Mehr aber auch nicht.

Und außerdem: Als die Protestaktion begann, reagierte sofort die Stehhalle mit “Reisinger raus”-Rufen - und auch die Haupttribüne pfiff dagegen. Es wurde aber einmal mehr als deutlich: Die Mehrheit des TSV 1860 hat keinen Bock auf (vereinsschädigende) Politik. Friedlich war die Westkurve nur einmal, als die Fans gegen 18 Uhr ihre Handylichter in die Höhe reckten - als Zeichen für Demokratie, gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus und Hetze. Zur gleichen Zeit fand auf der Theresienwiese eine Demo statt.

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Vier Tage war Hasan Ismaik in München. Am Freitag stattete der Jordanier Mannschaft und Trainer Agis Giannikis einen Kurz-Besuch am Trainingsgelände ab, um die Löwen auf das Derby einzuschwören. Bereits am Donnerstag hatte er die beiden Geschäftsführer Oliver Mueller und Dr. Christian Werner im feudalen Edel-Hotel “Rosewood” (die Nacht kostet in der Ismaik-Kategorie bei Booking.com übrigens 24.000 Euro) getroffen. Gegenüber “MagentaSport” berichtete Werner: “Es war ein sehr nettes und wertschätzendes Gespräch. Ich kann nur Positives berichten.” Man kann für Dr. Werner nur hoffen, dass er nach diesen Aussagen nicht das nächste Plakat-“Opfer” der Ultras wird.

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Auch andere wichtige Köpfe aus dem 1860-Kosmos trafen sich nach db24-Informationen mit Ismaik und können die Werner-Worte mit Sicherheit nur unterstreichen. Auch mit Bayerische-Vorstand Martin Gräfer kam es zu einem mehrstündigen Meeting.

Keinen Austausch hatte Ismaik mit Präsident Robert Reisinger und dem Verwaltungsrat - irgendwie auch verständlich: Warum soll sich der schwerreiche Unternehmer mit den Menschen an den Tisch setzen, die bei 1860 auf belegbare Nadelstichpolitik setzen? Klingt logisch. Die jüngsten 50+1-Personalentscheidungen um die menschenunwürdige Entlassung von Geschäftsführer Marc Pfeifer sind ein weiterer Beweis, dass der e.V. auf Ismaik pfeift. Zur Erinnerung: Dem 46-Jährigen gehören 60 Prozent an der Fußball-Firma des TSV. Ismaik behält sich Schadensersatz-Klagen gegen Reisinger & Co. vor.

Ohne Hasan? Eher ohne Robert!

Ismaik hatte trotzdem sichtlich Spaß an den Löwen: Als er am Sonntagabend deutschen Boden verließ (er hatte noch einen Geschäftstermin in einer anderen Stadt), postete er auf seinen Socialmedia-Kanälen ein Video, dass ihn beim Einsteigen in seinen Privatjet zeigt, der ihn nach Abu Dhabi zurückbrachte. Ismaik, dem immmer wieder von einer bestimmten Seite nachgesagt wird, er hätte sein Vermögen verzockt (sogar in der VIP-Alm wird dies ganz gezielt lanciert), um ihn zu diskreditieren, winkte glücklich in die Kamera. Dazu schrieb er: “Goodbye 1860 Munich. See you soon.”