VON OLIVER GRISS UND IMAGO (FOTO)

Rückblick in den Mai 2023: "Natürlich wollen wir auch nächste Saison aufsteigen, aber die Realität sagt etwas anderes. Die Realität ist, dass wir neun Spieler verabschiedet haben, darunter sind wichtige Abgänge. Ich hätte mir gewünscht, dass mindestens vier bleiben können", erklärte Trainer Maurizo Jacobacci vor dem Saisonfinale in Zwickau. Nach diesen Worten verlor 1860 auch noch Marius Wörl an Hannover 96 - die Gründe sind allerorts bekannt.

Zu diesem Zeitpunkt war ein Saison-Etat von 4,5 Millionen Euro veranschlagt - und Jacobacci sagte: “Mit diesem Budget können wir uns nicht viele Transfers leisten. Wir werden mit dem uns zur Verfügung gestellten Budget versuchen, die bestmöglichen Spieler für Sechzig München zu verpflichten. Das können nicht Durchschnittspieler sein, damit begnüge ich mich nicht. Wenn wir einen nominell guten Kader wollen, dann wird es den Investor brauchen. So einfach ist das.”

Und Jacobacci warnte damals schon, als die Frage in der Presserunde kam, ob die Löwen ein Kandidat für den Abstiegskampf seien, wie folgt: “Wenn ich heute antworten muss, dann sage ich ja.” Die Vorbereitung verlief fatal - und trotzdem trudelten nach und nach 13 Neuzugänge ein, weil das Saisonbudget aufgrund der nicht zu erwartenden Dauerkarten-Erlöse am Ende aufgemörtelt werden konnte. Die letzte Neuverpflichtung stieß mit Stürmer Joel Zwarts erst Anfang August dazu.

Eine Planung, wie sie nicht schlimmer laufen kann - und ein totales Konstrastprogramm zur Vorsaison war, als man zumindest nach außen Einigkeit und Angriffslust demonstriert hat. Anfang Juli (!) auf der Mitgliederversammlung im Zenith versprach Präsident Robert Reisinger dem Volk: “In Kürze sollte der TSV 1860 München wieder einen Sportlichen Leiter von Format haben.” Und: “Wenn ich lese, unter Reisinger herrscht Stillstand, kriege ich einen Vogel.” db24 bestätigte wenige Stunden nach der Reisinger-Offensive Wunschkandidat Horst Heldt. Zu diesem Zeitpunkt war Geschäftsführer Marc Pfeifer schon aktiviert, um Kandidaten für den Job des Sportdirektors zu casten, übrigens im Auftrag des Präsidiums. Daran sieht man, wie konfus die Planung für die Nachbesetzung von Günther Gorenzel, der nach Klagenfurt flüchtete, wirklich war.

Umso mehr überrascht es, dass sich Präsident Robert Reisinger jetzt hinstellt und gegenüber der “tz” sagt: “Ich frage mich, wer die Verantwortung für die Saison übernimmt. Meine Warnungen im Sommer wurden ignoriert.”