VON OLIVER GRISS UND ULI WAGNER (FOTO)

Kommt er? Kommt er nicht? Nein, Präsident Robert Reisinger (59) erschien am Freitagabend nicht zum 1. offiziellen Fantalk mit Geschäftsführer Marc Pfeifer in der VIP-Alm am Trainingsgelände an der Grünwalder Straße 114. Dabei hätte der erfolgreiche Unternehmensberater, der wenige Stunden zuvor noch am obligatorischen Präsidenten-Gespräch mit seinen Vizes Hans Sitzberger und Heinz Schmidt in der Löwen-Geschäftsstelle teilnahm - vor nur rund 180 (!) Besuchern einiges zurecht biegen können, warum der TSV 1860 nach außen derzeit so ein katastrophales Bild abgibt und seit sechseinhalb Jahren überhaupt nicht vom Fleck kommen will.

Und so versuchte der angeschlagen wirkende Pfeifer, dem seit ein paar Wochen “unsauberes Transfergebaren” angelastet wird, die Fußball-Firma von der positiven Seite zu verkaufen. “Wir haben in drei Jahren die Sponsoren-Erlöse verdoppelt. Wir hatten zu meiner Anfangszeit 41 Partner, jetzt haben wir 92 Partner - wir haben 2,5 Millionen Löwen-Fans weltweit - das ist unser Faustpfand”, erklärte der Schwabe.

Die jüngsten Transfer-Vorwürfe lassen Pfeifer aber trotzdem nicht kalt: “Dieses Bild zeichnet einen falschen Eindruck über unsere Arbeit. Das hat nicht der Realität entsprochen. Die Arbeit, die wir aufgrund des kurzfristigen Ausstiegs von Günther Gorenzel hatten, ist nicht anders gelaufen als vorher.”

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Wer hat den Kader im Sommer denn zusammengebaut? Pfeifer wiederholte erneut, dass keine externen Personen die Spieler mitverpflichtet hätten. Und: “Wir haben neue Gehaltsobergrenzen eingeführt - auf die Liga abgestimmt.” Auch wurde der 1860-Geschäftsführer konfrontiert, was mit den Morgalla-Millionen passiert sei. Welche Millionen überhaupt? Nach db24-Informationen sind bislang keine Millionen geflossen, sondern genau eine Million Euro.

Welches Profil haben die Löwen für den neuen Sportchef im Auge? Pfeifer: “Wir brauchen einen, der fleißig ist und am Wochenende auf den Plätzen unterwegs ist. Wir haben unseren Wunschkandidaten eingereicht. Ich habe meine Empfehlung abgegeben.” Der Wunschkandidat von Pfeifer ist Dr. Christian Werner, der übrigens am Freitag auch in der Alm zugegen war. “Die Einschätzung habe ich nicht alleine getroffen, sondern auch die beiden Vize-Präsidenten und der Aufsichtsratsvorsitzende. Das war eine Gemeinschaftsarbeit. Ich habe meine Entscheidung getroffen, alles andere liegt nicht in meiner Hand.”

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Woran krankt´s dann? Pfeifer: “Ich bin nicht der alleinige Entscheider, sondern auch ein Gremium.” Wer verwehrt die Sportchef-Freigabe bei 1860?

KGaA-Aufsichtsratsboss Saki Stimoniaris, der gleichzeitig in München auch die HAM-Seite vertritt: “Ich gehe davon aus, dass wir bald eine Entscheidung haben.” Und: “Wir können nur das ausgeben, was wir haben. Wir werden Sechzig nicht in irgendein Fahrwasser bringen. Wir müssen auf die Finanzen schauen.” Heißt: Große Namen sind schwer finanzierbar! Werner könnte sich 1860 leisten: Das Budget gibt nach db24-Infos das Gehalt für den früheren Chefscout von Waldhof Mannheim jedenfalls her.

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Auch Bayerische-Vorstand Martin Gräfer kam beim Giesinger Folkloreabend zu Wort: “Es ist unser verflixtes siebtes Jahr als Hauptsponsor. Wir hatten niemals vor, in der Dritten Liga oder in der Regionalliga zu sponsern. 1860 gehört immer noch zu den größten Vereinen in Deutschland. Überall auf der Welt findest du diesen Löwen… Wir wollen ins zehnte Jahr gehen. Wir haben vorzeitig verlängert. Nicht wenige meiner Kollegen haben mich gefragt, ob ich einen Dachschaden habe? Fußball darf nicht nur emotional sein, sondern muss erfolgreich sein. Wir sind nicht weggelaufen nach dem Doppelabstieg. Wir waren in Buchbach. Es war toll zu sehen, wie die ganze Gemeinde für den Verein eingestanden ist.” Sein Wunsch für die Zukunft: “Es geht nur gemeinsam. Man muss immer die Realität anerkennen. Es gibt einen Gesellschafter, dem 60 Prozent an der Fußballfirma gehören. Es gibt aber auch den e.V. Gemeinsamkeit ist keine Hülse. Man muss Kompromisse eingehen. Der Verein braucht weitere Sport-Kompetenz. Das sieht ein Blinder auf Krückstock…” Und Gräfer gab auch zu verstehen, dass er mit der Entwicklung des Klubs überhaupt nicht zufrieden ist: “Wir werden nicht auf Dauer Sponsor eines Drittligisten sein.” Ob das alle verstanden haben? Die Münchner Versicherung zahlt Zweitliga-Tarife - doch wie lange noch?

Und Pfeifer machte an diesem Abend deutlich, dass die aktuelle Situation die Löwen nicht in die Zweite Liga bringen werde: “Auf dieser Basis ist kein Erfolg möglich.”

db24 meint: Zur Aufklärung, was wirklich bei 1860 los ist, sorgte dieser Fanabend nicht - Chance verpasst.