VON OLIVER GRISS UND BERND FEIL (FOTO)

Michael Scharold (38) wird heute zum letzten Mal mit dem Aufzug in den dritten Stock der Geschäftsstelle hochfahren - der Vertrag des Geschäftsführers läuft nach zweieinhalb harten Jahren mit dem heutigen Tag aus. Er hat aufgegeben. Freiwillig. Einen neuen Job hat Scharold dem Vernehmen nach noch nicht.

Der Stuttgarter Marc-Nicolai Pfeifer, für den sich beide Gesellschafter vor kurzem einstimmig entschieden, wird dann dieses Giesinger Himmelfahrtskommando übernehmen. Der 39-Jährige, der zuletzt Geschäftsführer beim Fünftligisten Stuttgarter Kickers war, will sich am Mittwoch den Journalisten im Löwenstüberl vorstellen.

Als “Katalysator” (Hasan Ismaik) soll Pfeifer zwischen den beiden Gesellschaftern arbeiten - und die Löwen wirtschaftlich besser aufstellen?

Nachdem mit dem 30. Juni das Geschäftsjahr der Saison 2019/2020 offiziell endet und dabei mit einem Millionen-Verlust gerechnet wird, kommt es nach db24-Informationen heute zu einer Aufsichtsratssitzung. Diese wird aufgrund der Corona-Pandemie höchstwahrscheinlich nur in Form einer Telefonkonferenz umgesetzt. Wird Mehrheitsgesellschafter Hasan Ismaik zum wiederholten Male helfen? In welcher Form? Die sportliche Kommandobrücke hofft auf eine wohlwollende Versammlung - am besten mit einer finanziellen Lösung, damit Sport-Geschäftsführer Günther Gorenzel den Spielern, mit denen verlängert werden soll, endlich ein akzeptables Vertragsangebot unterbreiten kann. Ganz oben steht hierbei Kapitän Sascha Mölders. Auch Tim Rieder, Leihspieler des FC Augsburg, würden die Löwen gerne halten. Seit Wochen muss Gorenzel die Profis vertrösten. Nicht nur Trainer Michael Köllner braucht eine Perspektive. Er will in die Zweite Liga. Für sportliche Träume braucht man aber Investitionen. Von Luft, Liebe und Anbeten des Grünwalder Stadions kann auch 1860 nicht überleben.

Die Zukunftsfrage: In welcher Liga sollte 1860 nach Deinen Wünschen möglichst spielen?

Umfrage endet am 10.07.2020 19:00 Uhr

Doch wie kommt 1860 an frisches Geld? Zuletzt wurde diskutiert, dass die Bayerische die zwei Millionen Euro aus dem Transfertopf (u.a. Julian Weigl), die seit Wochen als Sicherheit blockiert sind, gegen eine Hypothek auf die Geschäftsstelle eintauschen wird. “Das Geld steht uns momentan nicht zur Verfügung, weil es vertraglich für Verbindlichkeiten gebunden ist”, bestätigte Gorenzel am vergangenen Freitag.

Nicht wenige Fans fragen sich: Warum besteht der Versicherer aus Neuperlach überhaupt auf eine Sicherheit, wenn zum einen Bayerische-Vorstand Thomas Heigl im Aufsichtsrat der KGaA sitzt und zum anderen der Sponsoren-Vertrag zwischen 1860 und dem Hauptsponsor sowieso über viele Jahre abgeschlossen ist?