VON OLIVER GRISS UND ULI WAGNER (FOTO)

Robert Reisinger kam am Donnerstagnachmittag mit einem VW-Bus an die Grünwalder Straße. Mit schnellem Schritt und dem Handy am Ohr marschierte er vom Parkplatz zur Geschäftsstelle. Zuvor hatte der Ober-Löwe der AZ ein Interview gegeben - in schriftlicher Form. Dabei wehrt sich der 55-Jährige gegen die Vorwürfe von Mehrheitsgesellschafter Hasan Ismaik, dass der Verein Daniel Bierofka weggemobbt hätte. “Die Behauptung ist so absurd wie ehrenrührig – und entbehrt jeder Grundlage”, klagt Reisinger in der “AZ” und behauptet selbst: “Bierofka wurde und wird von unserem Mitgesellschafter auf das Gröbste instrumentalisiert. Selbst noch nach seinem Rücktritt. Ich bin überzeugt, nicht zuletzt diese ständige Indienstnahme für propagandistische Zwecke hat dazu geführt, dass die Situation für unseren Trainer immer schwieriger wurde. Das hat Bierofka so wenig verdient wie die zahlreichen Mitarbeiter vor ihm.” Was Ismaik längst entkräftet hat: Der Jordanier hatte kaum Kontakt zu Bierofka.

Trotzdem meint Reisinger: “Festzuhalten ist: Durch das Präsidium des TSV München von 1860 e.V. wurde und wird kein Mitarbeiter gemobbt oder diskreditiert. Die öffentlichen Kommentare unseres Mitgesellschafters in der Vergangenheit bis zum heutigen Tag und seine unangebrachte Bewertung von Mitarbeitern und Partnern der TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA auf Facebook erfüllen dagegen durchaus die genannten Merkmale. Nachzufragen bei Robert Schäfer, Florian Hinterberger, Oliver Kreuzer, Kosta Runjaic, Thomas Eichin und vielen anderen. Auch der Umgang unseres Mitgesellschafters mit Vereinsikone Roland Kneißl in der Fanartikel-Gesellschaft ist vielen Mitgliedern und Fans in lebendiger Erinnerung. Wir können das leider nicht ungeschehen machen und auch aktuell nicht verhindern, aber wir verhehlen nicht, dass uns diese Art der Kommunikation abstößt.”

Ist das Präsidium um Robert Reisinger mit seiner Vereinspolitik gescheitert?

Umfrage endet am 20.11.2019 22:00 Uhr

Reisinger, der nach dem Drittliga-Aufstieg den Lokalrivalen mit “Scheiß FC Bayern” beleidigte und auch sonst mit wenig Fingerspitzengefühl sein Amt ausfüllt, wird jetzt zum weiß-blauen Moralapostel - aus Angst noch massiver in die Kritik zu geraten?

Richtig ist: Reisinger, einst der “Romirei64” in dem Kontra-Wildmoser-Forum “Löwenforum”, pflegte mit dem 1860-Sympathieträger Bierofka von Anfang an ein Nichtverhältnis. Ab dem Zeitpunkt, als das Präsidium ohne Not das Gehalt von Bierofka im September in einer Presseerklärung thematisierte, war Reisinger für Bierofka nur noch Luft. Der Ex-Nationalspieler war nach db24-Informationen völlig fassungslos, dass im eigenen Verein eine solche Nadelstichpolitik nicht nur gegen Ismaik, sondern auch gegen ihn gefahren wird. Selbst als Bierofka nach dem 4:2-Sieg über Viktoria Köln androhte, den Verein verlassen zu wollen, meldete sich Reisinger nach db24-Informationen nicht bei seinem Aufstiegstrainer, um ihn zu beruhigen. Der einzige, der aus dem Verein anrief, war Fanartikel-Boss Anthony Power.

Überhaupt hat Reisinger mit ehemaligen 1860-Größen Berührungsängste - das haben unabhängig voneinander mehrere Ex-Stars gegenüber dieblaue24 bestätigt. Auch mit Saki Stimoniaris, dem Aufsichtsratsvorsitzenden des TSV 1860, will Reisinger bezüglich der möglichen Kapitalerhöhung nicht kommunizieren.

Sucht sich Reisinger seine Gesprächspartner exklusiv aus?