VON OLIVER GRISS UND BERND FEIL (MIS)

Am Donnerstagnachmittag war Kult-Löwe Fredi Heiß nach längerer Zeit mal wieder am Trainingsgelände an der Grünwalder Straße 114. “Ich hatte ein kleines Zeitloch vor dem nächsten Termin und wollte einfach mal wieder vorbeischauen”, erklärte der 78-jährige Meister-Löwe hinter seiner getönten Fliegerbrille gegenüber dieblaue24. Heiß ist seit 66 (!) Jahren Mitglied beim TSV 1860.

Seine Laune war nicht gut. Er hat Angst um seine große Fußball-Liebe. Nicht nur die Abstiegsgefahr vor dem Heimspiel gegen Fortuna Köln (Samstag, 13.30 Uhr, dieblaue24-Liveticker) belastet ihn, sondern auch das ewige Hickhack in der Führungsetage: “Eigentlich ist jedes Wort zu viel und schon 1000mal gesagt. Solange man nicht gemeinsam mit dem Investor an einem Strang zieht, wird das nichts. Im Verein gibt’s eine Zerissenheit, die noch nie so schlimm war. Leider geht es bei 1860 schon lange nicht mehr um den Fußball, sondern nur um ein Stadion. Ich habe nicht das Gefühl, dass alle Kräfte 1860 erfolgreich sehen wollen. Das ist wirklich eine schizophrene Situation. 1860 braucht keinen Konsolidierungskurs, sondern eine Aussicht auf die Zweite Liga. Ich sehe leider kein Licht am Ende des Tunnels…”

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Einer der großen Helden stellt dem Kult-Verein aus München-Giesing ein vernichtendes Zeugnis aus. Heute wie damals sieht Heiß vor allem ein Strukturproblem bei den Blauen. “Schon zu Wetzels Zeiten hatten die Turner mitgesprochen. Den letzten Vertrag, den ich 1860 machte, haben die Turner unterschrieben. Das ist die Problematik bei 1860”, erklärte der Ex-Nationalspieler gegenüber db24. Die finanziellen Sorgen seien für Heiß deswegen nichts Neues.”Der Verein hatte immer finanzielle Probleme - schon zu unserer Zeit, obwohl wir fast nix verdient hatten. 1860 brauchte schon immer Geld. Katzenberger, Heckl, Holly - 1860 hatte schon immer Investoren dahinter. Das einzige, was Geld bringt, ist der Fußball. Nicht eine Golfabteilung. Nur wenn es der ersten Fußball-Mannschaft gut geht, geht’s auch dem Gesamtverein gut. Leider gibt’s im Verein Strömungen, die das anders sehen. Deswegen bin ich nach rund einem Jahr wieder aus dem Aufsichtsrat raus. Ich hoffe, dass Daniel Bierofka die Kraft hat, das alles durchzustehen.”

Dass die Vereinsseite Hasan Ismaik für den Löwen-Absturz alleinverantwortlich macht, findet Heiß nicht gerechtfertigt: “Ismaik hatte sich in den ersten Jahren doch komplett rausgehalten. Die Mannschaft wurde immer schlechter und schlechter. Als er dann sah, dass seine Millionen von Fremden verbrannt werden, hat er eingegriffen. Dann war es aber leider schon zu spät…”