VON OLIVER GRISS UND BERND FEIL (MIS)

Kaum ein Tag vergeht, an dem beim TSV 1860 nicht über Vereinspolitik gesprochen wird. Auch nicht zwei Tage vor dem Abstiegsfinale gegen Fortuna Köln (Samstag, 13.30 Uhr, dieblaue24-Liveticker): Die Löwen sind mit ihren 44 Punkten immer noch nicht gerettet, sie brauchen mindestens noch einen Punkt.

Auslöser: Die jüngsten Aussagen von Leipzig-Trainer Ralf Rangnick, der zum einen nichts von Basis-Demokratie im Profifußball hält, zum anderen den TSV 1860 mit einem Karnickelzüchterverein vergleicht. “Wenn man zu 1860 und Uerdingen schaut, sind sie trotz 50+1-Regel in Händen von Leuten gelandet, die keine Ahnung haben. Sie werden geführt wie Karnickelzüchtervereine. Basisdemokratie passt nicht in den Spitzensport”, erklärte der Ex-Ulmer bei einer Podiumsdiskussion in einem Leipziger Gymnasium.

Eine Vorlage, die 1860-Boss Robert Reisinger gegenüber “BILD” am Donnerstag sogleich verwerten wollte: „Es gibt genügend Beispiele, dass es so funktioniert, wie in Mainz oder Freiburg. Bei 1860 ist die Konstellation so, dass der Verein nicht einem Menschen, sondern den Mitgliedern gehört. Das wird bei 1860 auch so bleiben!“ Die zehntausenden Löwen-Fans, die keine Mitgliedsbeiträge zahlen, hat Reisinger bei seinen Ausführungen vermutlich aus Versehen vergessen; ebenso, dass 60 Prozent der Fußballfirma KGaA Mehrheitsgesellschafter Hasan Ismaik gehören. 1860 hat derzeit rund 23.000 Mitglieder, auf Facebook wird der Drittliga-Verein von rund 196.000 Usern verfolgt. RB Leipzig, das von Brause-Milliardär Didi Mateschitz unterstützt wird und bei dem der Verein mit 130 Millionen Euro in der Kreide steht, hat nur 17 wahlberechtigte Mitglieder. Rangnick: “Vereine müssen wie ein Wirtschaftsunternehmen geführt werden.” Bei 1860 mischen Ehrenamtliche immer noch mit.

Wird der TSV 1860 wie ein Wirtschaftsunternehmen geführt?

Umfrage endet am 23.05.2019 10:00 Uhr

Dass sich die Vereinsseite nicht auf einen gemeinsamen Kurs mit Ismaik einigt, verteidigt Reisinger so: „Wir stehen im Dialog mit unseren Mitgesellschafter, sprechen mit den Vertretern von Hasan. Wir haben diverse Vorschläge gemacht, aber keine Reaktion erhalten.“ Was Reisinger nicht erwähnt hat: Im Sommer 2018 wurde ein Zwei-Jahres-Plan abgeschlossen, der eine Einmal-Zahlung von Ismaik von zwei Millionen Euro für zwei Jahre beinhaltete. Reisinger selbst hatte den Kurs nach nur sechs Monaten über den Haufen geworfen und seinerseits den Konsolidierungskurs eingeläutet.