VON OLIVER GRISS

“So wie das in der Vergangenheit gelaufen ist, macht es für keinen der beiden Gesellschafter Sinn. Wir müssen das Verhältnis zueinander neu justieren. Dazu gehört für mich auch, von dieser emotionalen Ebene runterzukommen. Herr Ismaik hält 60 Prozent der KGaA und ich habe von Anfang an für eine Zusammenarbeit geworben. Die Türen sind nicht zu.” Sagte Ober-Löwe Robert Reisinger kürzlich in einem “tz”-Interview. Alles nur reine Lippenbekenntnisse?

Was sich für die Öffentlichkeit einsichtig und wie ein Friedensangebot liest, wird im Hintergrund anders gelebt: Im Schriftverkehr mit Abu Dhabi offenbarte Reisinger der Ismaik-Seite, sollte man sich in der Geschäftsführer-Posse nicht einigen, werde die 50+1-Regel angewendet. Reisingers Duktus ist sehr dominant.

Partnerschaft lebt man anders, Löwen!

Der Verein wird den bisherigen Finanzchef Michael Scharold vorschlagen - Hasan Ismaik will einen sportaffinen Geschäftsführer. Franz Gerber wurde wiederholt von Reisinger abgelehnt. Beide Seiten werden ihre Gründe haben. Zu einem Miteinander gehört aber eine faire Diskussion untereinander und vielleicht auch eine Kompromisslösung, mit der am Ende beide Seiten leben können. Im Sommer hatte der Verein bereits Markus Fauser als Geschäftsführer durchgeboxt. Wird dem 37-jährigen Scharold mit dieser Regel zu einem gut dotierten Arbeitsplatz (120.000 bis 150.000 Jahresgehalt) verholfen?

Fauser hört auf: Wer soll neuer 1860-Geschäftsführer werden?

Umfrage endete am 17.01.2018 08:00 Uhr

Franz Gerber
56% (1894)

Keiner von beiden!
23% (793)

Michael Scharold
21% (712)

Teilnehmer: 3399

An der Grünwalder Straße 114 wird immer klarer: Die Partnerschaft zwischen 1860 und Mehrheitsgesellschafter Hasan Ismaik existiert nur noch auf dem Papier. Der Jordanier war den Löwen gut genug, den Verein mit der Verlängerung der Darlehen (die auch sein Investment sicherten) vor dem totalen Untergang zu bewahren und die Sanierungsvereinbarung zu unterschreiben, doch Mitspracherecht wird ihm, dem 60 Prozent an der Fußballfirma gehören, nicht eingeräumt. Kein Geschäftsmann in Deutschland würde diese Politik tolerieren.

Reisingers Löwen-Motto: Hasan, friss oder geh!

Eine Beziehung auf Augenhöhe funktioniert definitiv anders. Man kann nur hoffen, dass Ismaiks “Mister X” bald in München-Giesing aufschlägt, um eine neue Gesprächsgrundlage zu haben.