VON OLIVER GRISS UND SVEN SIMON (IMAGO)

Da hat der TSV 1860 in großen Teilen eine seiner beste Transferperioden seit zwei Jahrzehnten hinter sich, wirkt nach Jahren des Stillstands inzwischen professionell aufgestellt - und doch sind einige Fans neuerdings unzufrieden mit Michael Köllner.

Der Grund: Der Oberpfälzer - größter Sympathieträger, Antreiber und Brückenbauer des Klubs - hat sich in den letzten Tagen immer wieder erlaubt, explizit Investorenvertreter Anthony Power, der gleichzeitig auch Fanartikel-Chef der Löwen ist, für dessen Mithilfe bei den vielen gelungenen Transfer-Coups zu loben: “Alle Themen wurden erledigt. Das ging wie Brezlbacken, absolut professionell. Das war absolutes Teamwork und ein Zeichen dafür, dass es nur gemeinsam geht. Das ist unsere DNA!” Und jetzt kommt’s: “Was ich besonders betone: Anthony Power. Der hat sich extrem in die Transfergeschichten mit eingebracht und uns großartig unterstützt.” Die Löwen sind auf der richtigen Spur.

Einer Seite scheint aber genau dies nicht zu gefallen, dass Köllner - wie seinerzeit Vorgänger Daniel Bierofka - auf “gemeinsam” geschaltet ist und der Investorenseite nicht die Stirn zeigt. Bierofka hatte aufgrund dieser Situation im November 2019 entnervt hingeworfen.

Beispiele der neuen Giesinger Entrüstung gefällig? Ein Online-Fanportal mit dem Namen “sechzger.de” titelt jetzt: “Das Gemeinsam beim TSV 1860 ist keine Einbahnstraße, Herr Köllner!” Und: “Die Lobhymnen von Köllner für Power zur Unzeit.” Der Autor, dem die Zusammenhänge bei der Fußball-Firma offenbar fremd erscheinen, schreibt in seinem Beitrag: “Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Abgesehen davon, warum der eigentlich für den Fanshop verantwortliche Power bei Neuzugängen mitwirkt, ist dieses Lob momentan einfach nicht angebracht.” Fühlt sich Köllner im falschen Film? Man könnte es ihm nicht verdenken.

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Kurioses spielt sich seit einigen Tagen ab in der bunten Löwen-Welt. Stein des Anstoßes? “Anthony Power hat mit dem Verkaufsstart eines kopierten T-Shirts ganz klar eine Grenze überschritten. Er gefährdet damit das Gemeinsam an der Grünwalder Straße 114.” Und außerdem: “Dass Anthony Power eine entscheidende und wesentliche Rolle bei den Neuverpflichtungen eingenommen hat, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.”

Viele Löwen-Fans dürften sich jetzt verwundert die Augen reiben: Um was geht es hier? Was wollen die eigentlich?

Ein umtriebiger Fan, der sich möglicherweise als Robin Hood des Giesinger Klubs sieht, hatte zuletzt für sich in Anspruch genommen, ein T-Shirt für den Hauptverein mit dem Claim “Wir sind der Verein” entworfen zu haben. Dieses wird über den Online-Shop des Hauptvereins vertrieben. Darüber sprach dieser Löwen-Fan im Magazin “11 Freunde”, das u.a. die Erfolgsgeschichte von RB Leipzig boykottiert, und echauffierte sich darüber, dass Power ein sehr ähnliches T-Shirt über den offiziellen Fanshop des TSV 1860 nun vertreibt. Die Presse hatte dies daraufhin teilweise übernommen, ohne allerdings die Faktenlage zu checken. Beim Trainingsauftakt am Samstag war dann zu beboachten, dass viele Fans mit genau diesem T-Shirt den Fanshop an der Grünwalder Straße 114 verlassen haben. Es kam auf dem Rücken des Profifußballs auch zu Diskussionen am Trainingsgelände - nach dem Motto: “Warum kauft ihr nicht beim e.V. ein?” HIER gibt’s das vieldiskutierte T-Shirt zu erwerben.

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Was vereinzelte Fans aber nicht wissen - oder bewusst ignorieren: Die Merchandisingrechte für alles rund um den TSV 1860 liegen zu 100 Prozent bei Mehrheitsgesellschafter Hasan Ismaik. Für die Markenrechte hat er 2011 bezahlt. Abgewickelt wurde der Deal seinerzeit u.a. von e.V.-Vertretern, um den Profifußball zu retten. Im Internet wird auf den einschlägigen Plattformen aber immer wieder dazu aufgerufen, den KGaA-Shop zu boykottieren, Ismaik zu schwächen und doch lieber im e.V.-Shop einkaufen, um den eigenen Nachwuchs zu unterstützen. Ein Politikum seit Jahren.

Was aberwitzig und ein Novum im deutschen Fußball ist: Der TSV 1860 ist der einzige Klub im Bundesgebiet mit zwei unterschiedlichen Fanshops. Im e.V.-Handel werden auch Artikel aus dem Profifußball verkauft, u.a. Stadion-Bilder etc.

Was in dieser hitzigen Thematik auf dem Rücken des Profi-Fußballs doch ein wenig überrascht: Weder Präsident Robert Reisinger, noch Geschäftsführer Marc Pfeifer haben sich bislang zu diesem Fan-Streit eingeschaltet, um aufzuklären. Um am Ende nicht anzuecken?