VON OLIVER GRISS

Wahnsinn, wie die Zeit vergeht…

Heute vor genau einem Jahr einigten sich beide Gesellschafter, also die e.V-Seite und Hasan Ismaik, auf den bis dato unbekannten Marc Pfeifer als neuen kaufmännischen Geschäftsführer - es war der Startschuss in eine bessere gemeinsame Zukunft. Vorbei die Zeiten der nervtötenden Nadelstichpolitik, die einzig und allein nur einem schadete: Dem Profifußball des TSV 1860, dem Aushängeschild von Münchens großer Liebe.

Nachdem die ersten zwei Personal-Entscheidungen auf der Geschäftsführer-Position mit 50+1-Prügel, sagen wir mal so, höchst unglücklich waren (der seriöse Markus Fauser war zu teuer und handelte 2017 u.a. nicht unbedingt vorteilhafte MVV-Verträge für 1860 aus; sein Nachfolger Michael Scharold wirkte komplett überfordert), kniete sich Pfeifer vom ersten Tag an in seine durchaus knifflige Aufgabe bei 1860.

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Der Schwabe, der vom Fünftligisten Stuttgarter Kickers kam, versuchte beide Gesellschafter-Seiten zu bedienen - und auch 1860 positiver aufzustellen. Er selbst ist mit Feuereifer bei jedem Spiel dabei. Auch das unterscheidet ihn von seinen Vorgängern deutlich.

Dass die Löwen wieder eine professionellere Außendarstellung haben, ist auch Pfeifers Verdienst. Bei seiner eigenen 365-Tage-Analyse wird er sich sagen: Wahnsinn, was dieser Verein für eine Kraft und Ausdauer kostet. Aber: Pfeifer hatte einen guten Start bei 1860.

Doch Pfeifer wird auch wissen: Er braucht für seine Mission nicht nur das Wohlwollen beider Gesellschafter, sondern wird auch an den nackten Zahlen gemessen - und die sind noch lange nicht so, wie sie für einen Großklub wie 1860 mit dieser Energie sein sollten. Bis die Löwen aus eigener Kraft wieder in die schwarzen Zahlen kommen, braucht es einen Aufstieg. Thema: Attraktivität.

Die erfolgreiche Sponsoren-Akquise im Premiumbereich ist neben der noch nicht geklärten Stadionzukunft, die in die Jahre gekommene Infrastruktur an der Grünwalder Strasse, dem spärlichen Fan-Nachwuchs sowie dem fehlenden Topniveau in Teilen der Nachwuchsarbeit die größte Herausforderung. Auch Pfeifer merkt, dass in den letzten Jahren viel Vertrauen in die Marke 1860 kaputt gegangen ist und er ab und an bei interessanten Unternehmen auf Granit beißt. Alle trauen dem Frieden an der Grünwalder Straße eben noch nicht ganz. Rücktritte wie der von Kult-Stadionsprecher Stefan Schneider werfen dann neue Fragen auf.

Nachhaltigkeit wird das Zauberwort sein. Eine ansprechende Saison (ohne Skandale!) macht noch keinen Sommer. Die Löwen müssen weiter überzeugen - auf allen Ebenen.