VON OLIVER GRISS, ULI WAGNER UND RENATE FEIL (FOTO)

Robert Reisinger hatte die Chance, in der Halbzeitpause der 0:1-Heimpleite gegen Preußen Münster seine Standpunkte bei der Liveübertragung des Bayerischen Fernsehen zu erklären und sich zudem von den politischen Botschaften im Grünwalder Stadion zu distanzieren. Der Ober-Löwe nahm die BR-Einladung aber nicht an, verzichtete auf ein Statement. Auch die Stellungnahme der KGaA im Vorfeld wollte der Präsident nicht mit unterzeichnen. Der Großteil der Löwen-Familie versteht Reisingers Defensivtaktik nicht…

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Das größte Problem: Beim TSV 1860 geht es schon längst nicht mehr um den Sport. Im Vorfeld der Partie hatte Daniel Bierofka die eigenen Fans noch dazu aufgerufen, im Stadion weniger Politik zu betreiben, sondern das Spiel in den Mittelpunkt zu stellen. Geholfen hat der Appell des Trainers nicht. Am vergangenen Samstag ging es wieder mehr darum, politische Duftmarken zu setzen. Zum einen wurde in einer Choreo der Standort Giesing (“Sechzig im Sechzger”) untermauert, eine neue Initative kämpft um den liga-unabhängigen Erhalt der Kultstätte; zum anderen wurde wieder das sogenannte Scheich-Lied gesungen. Was man dazu aber unbedingt wissen muss: Die Initative ging NICHT von den Ultras aus, sondern von einem anderen Teil in der Westkurve. Außerdem protestierte die Faninitative “Löwenfans gegen Rechts”, die zuvor 100 Anti-Ismaik-Shirts am Grünspitz verschenkt hatte, mit einem auf den Kopf gestellten Banner - mit dem Zusatz: “Mia miassn ned jeden gern HAM.” 1860-Ehrenrätin Stephanie Dilba und Aktivistin von LfgR postete das Foto demonstrativ auf ihrem Facebook-Kanal.

Welchen Kurs braucht 1860, um eine gute Zukunft zu haben?

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Und: Sogar 1860-Aufsichtsrat Saki Stimoniaris hat es jetzt geschafft, einen in den Vereinsfarben grün-goldenen Banner zu bekommen, der sein durchgestrichenes Gesicht zeigt - die Botschaft: “Verdammt, ich brauch Dich nicht.” Dabei braucht der Profifußball genau solche Menschen, die zum einen das Herz am richtigen Fleck haben und zum anderen auch über ein Netzwerk verfügen, das seinesgleichen sucht.

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Bierofka versteht die Löwen-Welt schon lange nicht mehr. “Gerade in der ersten Halbzeit, wo die Mannschaft Unterstützung braucht, wird hier wieder alles andere gesungen”, erklärte der Cheftrainer des TSV 1860 hinterher gegenüber dem “BR”, “es ist einfach momentan nicht gut, was hier passiert, es ist viel zu viel Politik.”

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