VON ANDREAS STAHL

Die Löwen-Fans diskutieren über den von Präsident Robert Reisinger verschriebenen Konsolidierungskurs für den TSV 1860. Der Münchner Andreas Stahl schreibt für db24 einen Gast-Kommentar:

Das Präsidium des TSV 1860 spricht von Konsolidierung und Neustrukturierung der Fußballtochter. Konsolidierung bedeutet stärken. Das Gegenteil ist der Fall.

Eine Konsolidierung kann unternehmerisch in vielen Fällen Sinn ergeben. Man strukturiert um und kommt am Ende gestärkt aus der Situation heraus. Aber was wäre eine Stärkung der Situation? Es wird immer davon gesprochen, dass die Schulden bei Hasan Ismaik die schwerste Bürde des Vereins sind.

Das mag vielleicht so sein, wenn man die Braut für einen Verkauf an andere Investoren hübsch machen will. Einen Einstieg von weiteren Kapitalgebern kann es allerdings nur geben, wenn beide Gesellschafter einverstanden sind. Ismaik hat in den letzten Jahren immer wieder erklärt, dass er die Anteile nicht verkauft. Und zum Hübschmacheb der Braut gehört auch dazu, die Schuldenlast zu reduzieren. Im so genannten 3-Jahresplan ist in keinem Szenario vorgesehen, die Schulden zu reduzieren.

Die Tilgung der Schulden gehört aber zur Konsolidierung dazu, denn ansonsten steht der Verein in drei Jahren eben nicht stärker da als heute. Sondern bestenfalls gleichwertig. Da aber bereits jetzt laut Geschäftsführung klar ist, dass Spieler die Profimannschaft verlassen müssen, geht der „Konsolidierungskurs“ zu Lasten des wichtigsten Kapitals: der sportlichen Leistungsfähigkeit.

Die Frage müsste viel mehr lauten: Kann eine Konsolidierung ohne vorherige Investition eingeleitet werden?

In Liga 3 scheint es nicht möglich zu sein, sportlichen Erfolg zu haben und gleichzeitig Überschüsse zu erwirtschaften (um Schulden zu tilgen). Dies ist unter Fußballmanagern Konsens.

In Liga 2 dürfte es besser möglich zu sein, aber 1860 hat dies seit vielen Jahren nicht geschafft. Aber man hat die Bürde der Arena und des Cateringvertrags nicht mehr. Andererseits sind die Zuschauereinnahmen stark begrenzt.

Um aufzusteigen müsste ein Plan her, der folgende Fragen (durch Profis) beantwortet: Wie hoch müsste die Investition in den Kader sein, um realistisch um den Aufstieg zu spielen um dann endlich wieder höhere Einnahmen zb durch wesentlich höhere TV-Gelder aber auch durch Ausbilden von Spielern zu generieren.

Und: Wie kann man diese Investition am kostengünstigsten decken? Wenn man einen Kapitalgeber hat, der Genussscheine kauft, ist das eine sehr vorteilhafte Position. Das Verhandlungsgeschick des Präsidiums müsste vielmehr lauten: Zu welchen Konditionen kann die KGaA Genussscheine ausgeben ohne das Budget zu belasten?

Am Ende gibt es nur drei Optionen:

Man meldet mit der Profimannschaft Insolvenz an und macht einen echten Neustart (evtl. mit neuem Investor) diese Chance wurde letztes Jahr verpasst.

Man begibt sich in einen Anti-Konsolidierungskurs: das jetzige Szenario 1. Man kann nur hoffen, dass man mit diesem Kurs wenigstens die Liga halten kann, aber von Aufstieg spricht auch die sportliche Leitung dann nicht mehr. Aber wo ist der Sinn? Wo steht der Verein in 3,4 oder 5 Jahren? Was hat sich dann verbessert?

Man investiert, um den Aufstieg zu erreichen und dann wieder die Möglichkeit zu haben, in anderen Dimensionen zu planen. Sprichwörtlich: in einer anderen Liga zu spielen.

Der TSV ist zum Erfolg verdammt. Ein komatöses Szenario 1 hilft dem Verein nicht weiter.