VON OLIVER GRISS

Aus Rot wird Blau! Gibt’s nicht? Gibt’s schon! Sandra Mitterer hat diesen Wandel vollzogen - und ist glücklich darüber. Die 26-jährige Studentin aus München-Laim spricht vor dem Derby gegen den FC Bayern (heute, 15 Uhr, dieblaue24-Liveticker) im Interview mit uns über ihren Farbwechsel.

dieblaue24: Servus Frau Mitterer, wie konnte man nur zum FC Bayern gehen…?

SANDRA MITTERER: Meine ganze Familie besteht aus Bayern-Fans bzw. Bayern-Sympathisanten und so bin ich eine Rote geworden. Eine andere Option gab es damals nicht. Ich fand immer die Größe und Präsenz des Vereins sehr faszinierend und habe mir gerne die Spiele und Siege der Bayern angesehen.

Was ist dann passiert?

Im Endeffekt kam hier vieles zusammen. Zum einen die wahnsinnig hohen Preise für Tickets in der Allianz Arena, wenn man denn welche bekommen hat. Selbst, wenn man sich für eine Vielzahl der Spiele und unterschiedliche Preiskategorien beworben hatte, hatte man meist kein Glück und ging leer aus. Hatte man doch das Glück, Karten zu bekommen, waren schnell 100 Euro weg. Für Berufseinsteiger oder Studenten ist das eine Menge Geld. Und für was? Dafür, dass man einen Nachmittag in der Arena sitzen konnte. Zusammen mit tausenden Erfolgsfans, die keine Stimmung in die Bude bringen und am Ende nicht wissen, ob sie nun 4:0 oder 5:0 gewinnen. Das Ganze ist einfach langweilig geworden. Ein weiterer Punkt war für mich, dass unter Pep Guardiola immer mehr Top-Spieler aus dem Ausland geholt wurden. Hier hat mir oft der Bezug zum Verein gefehlt und das Bayern-Motto “Mia san mia” erschien mir einfach nur noch lächerlich. Durch meinen Freund, der von kleinauf eingefleischter Sechziger ist, bin ich dann zum TSV gekommen. Wir gingen zusammen zu den Spielen und ich merkte, dass die Atmosphäre und Stimmung eine ganz andere war.

Was ist der Unterschied zwischen 1860 und Bayern?

Ich persönlich kann mich mit dem TSV einfach besser identifizieren. Der FC Bayern ist gefühlt so unnahbar. 1860 ist für mich einfach näher an seinen Fans. Generell ist die Fankultur eine andere. Die meisten Löwen-Fans sind mit Leib und Seele dabei. Von den verwöhnten Erfolgsfans der Bayern, die bei einer Niederlage schon von Krise sprechen, kann man das nicht wirklich behaupten.

Wie haben Ihre Freunde den Abschied aufgenommen?

Natürlich gabs Spott und abfällige Bemerkungen - das ist auch nachwievor so. Aber lustigerweise können viele meine Sichtweise nachvollziehen und sehen gerade in der jetzigen Phase, dass auch Sechzig ein toller Verein ist.

Was ist mit den roten Fanartikel passiert?

Die habe ich allesamt auf dem Flohmarkt verkauft oder direkt in den Müll entsorgt (lacht).

Wo steht 1860 in fünf Jahren?

Der Zwangsabstieg hat mir gezeigt, dass die Liga zunächst nicht so wichtig ist. Die Mannschaft und das Gefühl müssen einfach stimmen. Meines Erachtens hat in der Zweiten Liga schon lange nichts mehr gestimmt. Die Rückkehr ins Grünwalder war aus meiner Sicht sehr wichtig, um wieder zu den Wurzeln zurück und in die Spur zu finden, ebenso wie der Neustart in der Regionalliga. Wenn der Verein und die Fans so weitermachen wie bisher, werden wir in fünf Jahren vielleicht wieder an der Spitze einer Profiliga stehen.