VON OLIVER GRISS

Irgendwie erinnert Hasan Ismaik immer mehr an den unvergessenen Karl-Heinz Wildmoser. Wenn der Großgastronom als Ober-Löwe polterte, dann blieb kein Stein auf dem anderen. Das machte ihn einerseits unberechenbar, andererseits aber so sympathisch. Während Wildmoser den Verein von der Bayernliga bis in den Europapokal geführt hat, rettet Ismaik den Verein Jahr für Jahr mit seinen Millionen.

Während Ismaik in der Pressekonferenz am vergangenen Dienstag in der 1860-Geschäftsstelle für seine Verhältnisse relativ entspannt war, rechnet der 39-Jährige jetzt mit seinen Kritikern rigoros ab. “Hunderte Fans haben mir in den letzten Stunden geschrieben und mich aufgefordert, dass ich mich von der despektierlichen, unverschämten und verlogenen Berichterstattung in den regionalen und überregionalen Medien nicht aus der Spur bringen lassen soll. Das macht mich stolz”, schrieb Ismaik am Donnerstagabend auf seinem Facebook-Profil.

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Doch dann legt Ismaik so richtig los. In seinem Visier: Die Münchner Presselandschaft. “Ein Wort zu den 1860-Reportern: Ich habe ihnen in den ersten Jahren die Hand gereicht. Doch seit geraumer Zeit attackieren sie mich vor allem deswegen, weil ich nicht mehr mit ihnen spreche. Trotzdem versuchen sie über Mittelsmänner mit mir in Kontakt zu treten. Ich werde diesen charakterlosen Menschen nie mehr ein Interview geben. Sie schreiben, dass ich die 50+1-Regel nicht akzeptieren würde. Das Gegenteil ist der Fall”, erklärte Ismaik und schob nach: “Es ist ein dreckiges Spiel zwischen Medien und Hintermännern, das ich längst durchschaut habe. Mit ihrer Lügenkampagne bringen die Medien mich jeden Tag noch näher an 1860 als weg davon. Sie versuchen Euch über ihre Plattform zu manipulieren und uns Fans in der Stadt, in Bayern und ganz Deutschland lächerlich zu machen. Der TSV 1860 ist zum Spielball von dunklen Interessen geworden.”

Ismaik will ab sofort in den Angriffsmodus umschalten: “Ich verspreche Euch: Ich werde bis zu meinem letzten Atemzug für den TSV 1860 kämpfen, um alle Machenschaften in diesem großartigen Verein aufzudecken. Es gibt Leute im Verein, die Korruption und Plünderung unterstützen – ich werde mit allen Mitteln dagegen vorgehen. Es gibt gute Gründe, dass unser Verein seit mehr als einem Jahrzehnt große finanzielle Schwierigkeiten hat. Das liegt nicht allein an der Allianz Arena, sondern an vielen anderen Dingen. Ich habe in meinen ersten Jahren nicht daran geglaubt, dass dies bei einem großen deutschen Fußballklub wie 1860 möglich ist. Aber jeder Tag bringt mich näher an die Wahrheit.” Durchleuchtet Ismaik den Klub, um ihn endgültig sauber zu machen? Es sieht fast so aus, dass sich bei 1860 der ein oder andere anschnallen sollte. Noch heute wird an der Grünwalder Straße gerätselt, warum man im Sommer 2014 für den spanischen Stürmer Rodri 900.000 Euro Ablöse bezahlt hat, wo er kurz vorher noch ablösefrei auf dem Markt war, aber dann von einem spanischen Drittligisten verpflichtet worden ist. Inzwischen spielt Rodri für den spanischen Zweitligisten FC Cordoba. In 14 Spielen hat er fünfmal getroffen.

Ismaik stachelt der Widerstand aus den eigenen Reihen nur weiter an: “Ich bin ein Mensch, der fest daran glaubt, dass Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit am Ende siegen werden. Und ich kämpfe für ein besseres 1860, weil ich inzwischen kein Investor mehr bin, sondern ein großer Löwen-Fan. Ich werde immer ehrlich zu Euch sein. Zusammen werden wir unsere neue Löwen-Heimat gestalten und darin Fußballfeste feiern. Liebe Fans, ihr seid es, die den Löwen in mir geweckt haben. Ich bin erst glücklich, wenn ihr es seid. Das ist meine Lebensaufgabe, weil ich weiß, wie ihr seit Jahren leidet. Der Spott der Medien ist mein Antrieb.”