VON OLIVER GRISS

Der FC Bayern spielt in einer ganz anderen Liga als der TSV 1860 - sportlich wie wirtschaftlich. Gratulation! Und doch kann’s der neue Präsident Uli Hoeneß, der eigentlich aufgrund seines Steuervergehens geläutert sein sollte, nicht lassen. Kaum im Amt, beginnt er wieder gegen die Löwen zu treten. Bei einer Fanclub-Veranstaltung im fränkischen Wunsiedel sagte er: “Sechzig träumt seit Jahren vom eigenen Stadion. Sie müssten mal mit Donald Trump reden, der ist ein Immobilien-Tycoon. Vielleicht baut der ihnen so was…”

Dass die bayern-freundlichen Medien solche markigen Botschaften in Hoffnung auf ein Exklusiv-Interview genüsslich aufnehmen und verbreiten, ist natürlich der jetzigen Situation bei 1860 geschuldet (Medien- und Hausverbot). Es kommt besser an Hoeneß 2.0 zu glorifizieren, anstatt ihn zu maßregeln. Dabei wäre in seinem Fall Demut angesagt. Typisch Hoeneß halt. Auf die, die am Boden liegen, ist es ein leichtes zu treten. Oder hat U.H. Sticheleien von der Grünwalder Straße gelesen, als er seine nicht gerade kleinen Probleme hatte? Nein!

Vielleicht sollten sich die Herren von der Säbener Straße auch einfach mal daran erinnern, dass sie heute nicht ein eigenes Stadion hätten, wenn 1860 nicht als gleichberechtigter Gesellschafter am Projekt in Fröttmaning teilgenommen hätte. Es ist entspricht ohnehin nicht den realistischen Werten, dass den Löwen nur zehn Millionen Euro für ihren 50prozentigen Anteil an der Allianz Arena geblieben sind (Gegenwert geschätzt rund 200 Millionen Euro). Nur dem Unvermögen des damaligen Löwen-Managements war es zu verdanken, dass die Rückkaufsoption für ein Butterbrot (1,2 Millionen Euro) aus der Hand gegeben wurde. Eigentlich wäre hier Fremdschämen angesagt.

Dass die Löwen zu diesen Hoeneß’ Frotzeleien schweigen, ist angesichts der derzeitigen Chaos-Tage zwar vernünftig, klar ist aber auch: Der TSV 1860, eigentlich Herz-Verein der Münchner, muss sich zukünftig so aufstellen, dass er im Umfeld wieder ernst genommen wird und sich in der Bundesliga irgendwann wieder mit den Roten messen kann.

Wer jetzt im Löwen-Lager von einer geordneten Insolvenz und freiwilligen Rückkehr ins Amateurlager samt Duellen gegen Heimstetten oder Unterföhring träumt, hat die Rechnung ohne den stolzen Investor Hasan Ismaik gemacht, der trotz mittlerweile 50 Millionen Euro Ausgaben weiterhin treu zu 1860 steht.