VON OLIVER GRISS

Neidvoll schauen viele Vereine in Deutschland weiterhin auf die hervorragende Ausbildung beim TSV 1860. Immer wieder landen weiß-blaue Talente in der Bundesliga: Ob Kevin Volland oder Julian Weigl, aktuelle Nationalspieler im Weltmeister-Team. Volland traf zuletzt beim 8:0-Sieg in San Marino für die DFB-Elf. Doch jetzt könnte die Jugendarbeit einen schwarzen Fleck abbekommen: Die U17 der Löwen ist in der Bundesliga Süd stark abstiegsgefährdet, liegt mit nur sechs Punkten auf dem vorletzten Platz. Nach dem 1:2 gegen Karlsruhe beträgt der Rückstand ans rettende Ufer bereits sechs Punkte. Kleine Vereine wie Unterhaching, Sandhausen oder die Stuttgarter Kickers stehen vor den Blauen - besorgniserregend.

Am heutigen Montag kommt’s an der Grünwalder Straße zur Krisensitzung. Jugendleitung und das Trainerteam um Coach Michael Kammermeyer tagen. “Wir müssen uns besprechen”, sagte Jugend-Boss Wolfgang Schellenberg am Sonntagabend gegenüber dieblaue24, “was passieren muss, dass wir noch die Kurve kriegen. Es wäre brutal bitter, wenn wir eine Spielklasse verlieren. Aber realistisch müssen wir uns damit beschäftigen. Wir wussten, dass diese Saison schwer wird, trotzdem hätte diese Mannschaft laut unseren Einschätzungen durchaus Potential für einen Mittelfeldplatz.”

2006 wurde Schellenberg als Trainer der U17 mit Spielern wie den Bender-Zwillingen und Timo Gebhart noch Deutscher Meister - jetzt droht dieser Altersklasse erstmals der Abstieg aus der höchsten Spielklasse. Ist die Nachwuchsförderung bei 1860 in Gefahr? “Nein”, behauptet Schellenberg, “die Talentförderung außerhalb der Spielklasse bliebe wie bisher. Die Jugendarbeit wird nicht durch einen Abstieg kaputtgehen.”