VON OLIVER GRISS

Zweifelsohne, die Tage beim TSV 1860 sind äußerst turbulent und verfahren. Auslöser ist die sportliche Minderleistung. Obwohl der Verein mit einem Spitzenetat von 17 Millionen Euro in die Saison gestartet ist, dümpelt der Zweitliga-Dino wieder im Abstiegskampf. Die Situation ist schwierig wie noch nie.

Nachdem Trainer Kosta Runjaic aufgrund fehlender Ergebnisse beurlaubt wurde und sich darüber seit Wochen die Gremien den Kopf zerbrachen, ist auch Sportchef Thomas Eichin angezählt. Ihm wird vorgeworfen, dass seine Leistungsnachweise (u.a. die teure Verpflichtung des vereinslosen und dauerverletzten Sebastian Boenisch) mangelhaft seien. Zudem macht Eichin nicht unbedingt den Eindruck, dass er den TSV 1860 verstehen würde. Anders als in der Vergangenheit saß Eichin bei der 1:2-Pleite in Braunschweig nicht auf der Trainerbank, sondern auf der Pressetribüne. Auch im Mannschaftshotel soll Eichin nicht gesichtet worden sein.

Ausbaden muss nun alles Interimstrainer Daniel Bierofka. Die 1860-Ikone ist nicht zu beneiden, weil er eine unfitte und höchst verunsicherte Mannschaft bis zur Winterpause wieder aufrichten muss. Ein Himmelfahrtskommando.

Wie kommt 1860 aus dieser Sackgasse wieder raus? Die Löwen brauchen Entscheidungen - und zwar JETZT! Wenn man nicht mehr zu Eichin steht, dann muss eine Lösung gefunden werden und zwar so schnell wie möglich. Ex-Stürmer Benny Lauth, der ein abgeschlossenes Sportmanagement-Studium vorweisen kann, wäre eine Überlegung wert, um diese möglicherweise entstehende Lücke dann zu schließen und dem neuen Hauptgeschäftsführer Ian Ayre ab Sommer zuzuarbeiten. Eines steht fest: Mit Lauth als Sympathieträger könnte der Verein doppelt punkten.

Desweiteren sollte möglichst bald ein Nachfolger für Runjaic präsentiert werden, um den Fokus wieder auf den Sport zu legen. Allerdings, der deutsche Trainermarkt ist gelinde gesagt: Äußerst schwach besetzt. Und so fokussiert sich die Investorenseite angeblich auf den internationalen Fußball. Ob das der Weisheit letzter Schluss ist, ist bei dem schwierigen Umfeld bei 1860 natürlich fraglich. Zwei Modelle würden uns aber trotzdem zusagen: Entweder der vereinslose Louis van Gaal als Galionsfigur und Imperator oder das Stallgeruch-Modell Peter Nowak/Daniel Bierofka. Nowak ist eine Legende beim TSV 1860 und führte in Polen den neuen Tabellenführer Lechia Danzig von Platz 13 in der Vorsaison auf Platz 1. Eine starke Leistung. 1860 braucht wieder Persönlichkeiten, die dem Verein ihren Stempel aufdrücken können, die Sprache verstehen - auch wenn’s mal stürmisch an der Grünwalder Straße wird.

Lösen die Löwen diesen entscheidenden Trainer-Knoten, fokussiert sich schnell alles wieder auf den Sport. Der Kader für die Rückrunde muss JETZT geplant werden. Ratsam ist natürlich auch, dass 1860 zur Normalität übergeht und bei allem Spott der letzten Tagen auch die Presse wieder mit ins Boot nimmt!

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