VON OLIVER GRISS

Nein, Gerhard Mayrhofer bringt so schnell nichts aus der Ruhe, auch nicht der Fehlstart des TSV 1860 in die Zweite Liga. Im dieblaue24-Interview sagt der Ober-Löwe warum.

dieblaue24: Nur ein Punkt aus drei Spielen, Platz 17 in der Zweiten Liga: Tut das nicht weh, Herr Mayrhofer?

Gerhard Mayrhofer: Nein! Wenn man alles oberflächlich betrachtet, fühlt sich das natürlich nicht wirklich gut an. Aber auf der anderen Seite befinden wir uns auf einem Veränderungsprozess, der nachwievor weiter im Gange ist. Das ist ein steiniger Weg. Wir haben alles umgekrempelt - auch die Mannschaft. In Heidenheim haben wir mit sechs Neuzugängen begonnen. Wir haben alle tolle 30 Minuten in Heidenheim gesehen - und eine Mannschaft, die bis zum Schluss gekämpft und ein 2:2 erzwungen hat. Deswegen macht mich das alles nicht nervös.

dieblaue24: Viele Fans dagegen werden schon unruhig, hinterfragen einmal mehr die sportliche Ausrichtung bei den Löwen.

Mayrhofer: Bei uns wird gar nichts in Frage gestellt. Uns steht der Sinn nach Kontinuität. Wir reden intern viel darüber, was gerade passiert. Wir sind alle auf der gleichen Spur. Natürlich verstehe ich aber auch die, die jetzt wieder nervös werden und sagen: “Schau hin, da hat sich nichts verändert!” Wir aber stecken mittendrin und sehen, dass sich eine ganze Menge verändert hat. Natürlich, wenn man aufs Punktekonto schaut, sieht man noch nix. Aber die Punkte werden bald kommen. Die Mannschaft ist sehr heiß auf das Darmstadt-Heimspiel.

dieblaue24: Am Dienstag schließt der Transfermarkt: Wann kommt endlich Verstärkung für die Offensive?

Mayrhofer: Eines vorweg: Wir werden uns noch verstärken! Aber dennoch sollten wir alle mal die Kirche im Dorf lassen: Wir haben mit Rubin Okotie einen Stürmer, der fünf Tore in vier Pflichtspielen erzielt hat. Das ist sensationell. Zum Vergleich: Unser Highscorer letzte Saison, Yuya Osako, hat es auf sechs Treffer gebracht. Deswegen: Okotie ist ein Mittelstürmer, wie wir ihn uns alle gewünscht haben. Da ist alles in Ordnung, aber natürlich werden wir auf dem Transfermarkt noch einmal zuschlagen.

dieblaue24:  Es gibt Spekulationen, dass 1860 nicht richtig nachrüsten kann, weil die finanziellen Mittel fehlen…

Mayrhofer: Das ist Blödsinn! Wir sind gut finanziert in dieser Saison. Am Geld liegt gar nix. Wir haben eine andere Investitionsstrategie als andere Vereine in der Zweiten Liga. Unser Verein ist keine Marketingmaschine, sondern ein Traditionsklub. Wir geben die uns zur Verfügung bestehenden Mittel mit Vernunft aus.

dieblaue24: Die Löwen-Fans sind in den letzten Monaten zusammen gewachsen, stehen wieder hinter ihrem Klub - und das ist auch deutlich sichtbar in der Kurve. 

Mayrhofer: Wir sind ein Verein mit Höhen und Tiefen - das weiß jeder Löwen-Fan. Ob alt oder jung. Und wir haben uns wahnsinnig gefreut über die Kulisse gegen Leipzig (32.000 Fans, d. Red.) und vor allem auch darüber, dass die Kurve nicht nur voll war, sondern auch für eine fantastische Stimmung gesorgt hat. Es waren alle da, auch die Cosa Nostra 1860. Das ist großartig. Unser Vize Peter Helfer ist da sehr engagiert. Es ist ein Novum in der Geschichte des TSV 1860, dass wir einen Präsidenten haben, der sich fast ausschließlich um die Fanbelange kümmert. Wir brauchen alle Löwen. Wir brauchen die Fans aus der Stadt und vom Land, wir brauchen die Cosa Nostra, die ARGE und auch die Giasinga Buam. Wenn alle zusammenwachsen, dann werden wir wieder als Einheit in Deutschland wahrgenommen.

dieblaue24: Beschäftigt Sie eigentlich noch die Kirmaier-Klage?

Nein, überhaupt nicht. Wir wissen ganz genau, was wir zu tun haben.

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