VON OLIVER GRISS UND STEFAN MATZKE (FOTO)

Seit Jahrzehnten hat der TSV 1860 den Ruf des Selbstbedienungsladens. Es wird schlecht gewirtschaftet. Mittelmäßige Profis werden teilweise für Ablösesummen und hohe Gehälter verpflichtet (den Spanier Rodri holte Ex-Manager Gerhard Poschner für 900.000 Euro von einem Drittligisten!), hochbegabte Talente dagegen wurden für ein Butterbrot abgegeben. Weil der Verein mit seinem Geld nicht richtig umgehen kann, musste Kevin Volland seinerzeit für 500.000 Euro verkauft werden. Heute hat der Nationalstürmer einen Marktwert von 20 Millionen Euro. Auch bei Julian Weigl stellten sich die Löwen nicht besser an: Der BVB-Star brachte im Sommer 2015 nicht mehr als 2,5 Millionen Euro in die klamme Vereinskasse. Heute ist der Oberbayer 18 Millionen Euro wert. Weitsicht gibts bei den Blauen nicht. In der Branche wird 1860 nur noch belächelt - und für diverse Spielerberater ist die Grünwalder Straße längst ein Paradies für tolle Provisionen. Bei 1860 verdient nicht der Verein, sondern meist nur die anderen. Ein echtes Phänomen.

Investor Hasan Ismaik will jetzt endgültig aufräumen: Dafür setzte er mit dem kantigen Amerikaner Anthony Power ausgerechnet seinen persönlichen Finanzberater als vorübergehenden Finanz-Geschäftsführer ein - zumindest solange bis Ian Ayre vom FC Liverpool kommt. Dass Power unangenehm ist, stößt intern alles andere als auf Gegenliebe bei den Angestellten der Geschäftsstelle. Menschlich ist dies zwar vielleicht verständlich, aber nicht im Sinne des Klubs.

Soll 1860 den Verkauf der Arena-Anteile im Jahr 2006 neu aufrollen?

Umfrage endete am 21.12.2016 23:00 Uhr

Ja, natürlich! Schon allein aus moralischen Gründen!
69%

Nein, lasst die Sache ruhen! Es gibt wichtigere Dinge bei 1860!
31%

Dass die Löwen chronisch klamm sind,ist für den ehemaligen Geschäftsführer Stefan Ziffzer übrigens keine Überraschung. “1860 hat ein strukturelles Problem, aber nicht wegen der Arena-Kosten oder der – zugegeben – hohen Kosten des Caterings – sondern wegen der Herren Aigner, Boenisch, der 17 Trainer und 23 Sportdirektoren in den letzten Jahren”, erklärte Ziffzer gegenüber “BILD”: “1860 hat es nie geschafft, Werbepartner, Investoren, Gönner aus dem reichen Münchner Umfeld zu gewinnen. Warum? Weil die Attraktivität fehlt! Kein Verein kann von den Fans leben.”

Dass Ismaik aufgrund vieler interner Verfehlungen auf dem Baum ist, kann Ziffzer übrigens nachvollziehen: “Ich kann seine Wut in Teilen sogar verstehen. Denn: Wer zahlt, schafft an. Auch bei den vielen Freikarten im Businessbereich, die er abschaffen will, kann ich ihn verstehen. Diese Kosten haben mich auch immer geärgert.” Dass Ismaik die Löwen offenbar erst jetzt durchblickt, führt Ziffzer auf die unterschiedliche Mentalität in der Geschäftswelt zurück: “Er hat mit seinem Einstieg eigentlich 25 Fehler auf einmal gemacht. Als Südbayer verstehe ich vielleicht schon die Mentalität in Franken nicht mehr. Wie soll es dann erst einem Jordanier ergehen, der zum ersten Mal in den Fußball investiert? Und dann ausgerechnet bei 1860?”